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Fatal crash in Almaty
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Vorwürfe um tödliches Straßenrennen ziehen ranghohe Polizeibeamte in Kasachstan in Crash-Skandal hinein

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 01.04.2026

Was in Almaty geschah, konnte kaum ein gewöhnlicher Verkehrsunfall bleiben. In den frühen Morgenstunden des 21. März geriet auf dem Al-Farabi-Prospekt ein Zeekr in den Gegenverkehr und prallte frontal mit einem Mercedes zusammen. Der 29 Jahre alte Mercedes-Fahrer sowie zwei Frauen im Alter von 20 und 22 Jahren starben noch am Unfallort. Der Fahrer des Zeekr überlebte und kam ins Krankenhaus. Von da an ging es in dem Fall nicht mehr nur um einen Crash.

Die politische Brisanz war fast sofort da. In sozialen Netzwerken hieß es, der Zeekr könnte an einem nächtlichen Straßenrennen beteiligt gewesen sein. Einer der mutmaßlichen Teilnehmer soll ein Dienstwagen mit Verbindung zu einem hochrangigen Polizeifunktionär in Almaty gewesen sein. Der Abgeordnete Murat Abenov verlangte öffentlich Antworten vom Innenministerium. Damit verlagerte sich die Geschichte schnell von rücksichtsloser Fahrweise zu einem schwerwiegenderen Verdacht: Der eigentliche Skandal könnte nicht nur am Steuer sitzen, sondern irgendwo in der Schutzkette dahinter.

Das Ministerium reagierte wie eine Institution, die die Tragweite sofort erkannte. Innenminister Erzhan Sadenov entsandte ranghohe Vertreter der internen Sicherheit, der Verwaltungspolizei und der Personalabteilungen nach Almaty. Zudem leitete das Ministerium strafrechtliche Ermittlungen wegen der möglichen illegalen Ausgabe staatlicher Kennzeichen sowie wegen der mutmaßlichen Untätigkeit des Fahrers ein, der einem der Leiter der Polizeibehörde zugeordnet war. Der stellvertretende Leiter der Polizei von Almaty, zuständig für die Verkehrssicherheit, verlor ebenso seinen Posten wie die Leiter der Verwaltungspolizei und der öffentlichen Sicherheit.

Der Fahrer des Zeekr wurde festgenommen, nachdem ein Gericht Untersuchungshaft angeordnet hatte. Nach Angaben der Behörden stand er zum Zeitpunkt des Unfalls leicht unter Alkoholeinfluss. Öffentlich bekannt gemacht wurde das Verfahren nach Teil 4 von Artikel 345 des Strafgesetzbuchs von Kasachstan. Diese Vorschrift erfasst Verkehrsverstöße, die fahrlässig den Tod von zwei oder mehr Menschen verursachen. Das Strafmaß reicht dort bis zu zehn Jahren Haft.

Der breitere Hintergrund zur Verkehrssicherheit lässt den Fall kaum wie eine Ausnahme erscheinen. Kasachstan verzeichnete 2025 mehr als 36.000 Verkehrsunfälle, ein Plus von 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 51.000 Menschen wurden verletzt, rund 2.300 kamen ums Leben. Etwa ein Drittel aller Unfälle entfiel auf die Stadt Almaty und die Region Almaty. Das ist bereits für sich genommen eine düstere Zahl, umso mehr, wenn einer der landesweit aufsehenerregendsten Unfälle genau in diesem Gebiet passiert.

Darin liegt das Gewicht dieser Geschichte. Es geht nicht nur um einen zerstörten Mercedes und einen Zeekr-Fahrer, der überlebt hat. Es geht um den Verdacht, der inzwischen schwer genug wiegt, um ranghohe Beamte ihre Ämter zu kosten und strafrechtliche Ermittlungen auszulösen: dass Raserei auf Almatys Straßen je nach Person am Steuer unterschiedlich geahndet werden könnte. Sobald dieser Verdacht Teil der Akte wird, ist der Unfall nicht mehr nur eine Tragödie. Dann wird er zum Test dafür, ob der Staat einen Zusammenstoß untersucht oder sich selbst.