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Volkswagen prüft Produktion chinesischer Modelle in europäischen Werken

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 04.05.2026

Volkswagen prüft, in seinen europäischen Werken auch in China entwickelte Modelle zu bauen oder Produktionskapazitäten mit chinesischen Partnern zu teilen. Eine Entscheidung gibt es noch nicht, die Debatte zeigt aber, wie stark ungenutzte Kapazitäten und der Wettbewerb aus China den Konzern unter Druck setzen.

Konzernchef Oliver Blume sagte dem Handelsblatt, Volkswagen prüfe neue Möglichkeiten, seine Werke besser auszulasten. Im Zentrum stehe das Ziel, die Werkskosten zu senken. Zu den Optionen gehört, in China produzierte oder in China entwickelte Volkswagen-Modelle nach Europa zu bringen und Produktionskapazitäten gemeinsam mit chinesischen Partnern zu nutzen.

Zugleich betonte Blume, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Volkswagen analysiert derzeit, welche für den chinesischen Markt entwickelten VW-Modelle für europäische Kunden geeignet sein könnten. Vorrang hätten für den Konzern aber weiterhin eigene Modelle, nicht die Öffnung der Werke für Partner.

Die China-Strategie des Konzerns tritt damit in eine neue Phase ein. Volkswagen unterhält seit Langem Gemeinschaftsunternehmen mit SAIC und FAW, hinzu kommt die Zusammenarbeit mit dem Elektroautohersteller Xpeng. Das Handelsblatt weist darauf hin, dass SAIC in Europa vor allem über MG präsent ist und Xpeng seine Expansion in Europa vorbereitet.

Damit sieht Volkswagen China nicht mehr nur als Absatzmarkt. In China entwickelte Modelle, lokale Softwareentwicklung und eine niedrigere Kostenbasis könnten Teil der europäischen Wettbewerbsfähigkeit werden. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Wenn ein europäisches Werk mit dem traditionellen Modellprogramm nicht mehr ausreichend ausgelastet werden kann, sucht Volkswagen Auslastung anderswo.

Auch die Finanzzahlen liefern einen klaren Hintergrund für die Debatte. Im ersten Quartal 2026 erzielte Volkswagen einen Umsatz von 75,7 Milliarden Euro, das waren 2,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis sank um 14,3 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro, die operative Marge lag bei 3,3 Prozent. Der Konzern selbst führte das Ergebnis unter anderem auf US-Zölle, Sondereffekte und ein schwächeres Absatzvolumen zurück.

Besonders deutlich ging der Absatz in China und Nordamerika zurück. Nach Konzernangaben sanken die Fahrzeugverkäufe in China um 20 Prozent und in Nordamerika um 9 Prozent, während Westeuropa um 1 Prozent zulegte. Dieses Bild erklärt, warum das Management immer offener über die Effizienz des Produktionsnetzwerks, die Komplexität der Modellpalette und eine stärkere regionale Wertschöpfung spricht.

Laut Reuters überprüft Volkswagen unterausgelastete Werke, die Komplexität des Modellangebots und das Geschäftsportfolio. Das Management hat bereits erklärt, dass die bisherigen Kostensenkungen die Zukunft des Konzerns womöglich nicht absichern. Der Plan sieht vor, bis 2030 in Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze abzubauen.

Ein Beispiel ist das Werk in Osnabrück. Nach Informationen von Reuters hat das israelische Rüstungsunternehmen Rafael eine Absichtserklärung zum Erwerb des Volkswagen-Werks in Osnabrück unterzeichnet. Volkswagen und Rafael kommentierten die Transaktion nicht, Blume sagte in einer Investorenkonferenz jedoch, der Konzern führe mit Unternehmen aus der Rüstungsindustrie fortgeschrittene Gespräche über das Werk. In dem Werk arbeiten rund 2300 Menschen. Volkswagen hatte früher bereits erklärt, es verkaufen oder umbauen zu wollen.