Toyota wählt GR-GT-Käufer wie Ferrari aus
Toyota Gazoo Racing bringt sein neues Flaggschiff GR GT nicht nur mit 478 kW V8-Hybridleistung. Toyota will auch den Kaufprozess verändern und Kunden bevorzugen, die das Auto tatsächlich fahren, statt es schnell weiterzuverkaufen oder als Social-Media-Trophäe zu nutzen.
Toyota baut rund um den GR GT eine Community auf, statt nur eine Verkaufszahl abzuhaken.
In einem Interview mit Autoblog sagte Jeff Bal, Leiter des US-Sportwagenprogramms von Gazoo Racing, der Kauf eines GR GT werde sich eher wie ein Gespräch oder eine Hintergrundprüfung anfühlen. Toyota sucht Kunden, die den Zweck des Autos verstehen, ihn fahren und den Ruf des Markenflaggschiffs sauber halten.
In Japan verkauft Toyota den Wagen über spezielle Kanäle von Gazoo Racing. In den USA läuft der Vertrieb über Lexus-Händler. Auf Lexus-Seite diskutiert man bereits den möglichen Namen LFR.
Im Segment der Spezialfahrzeuge ist dieses Verfahren nicht neu. Ford prüfte Käufer für den GT und den Mustang GTD, Ferrari macht es seit Jahrzehnten als Teil seiner diskreten Markenkultur. Für Toyota hat der Schritt trotzdem Symbolkraft. Der GR GT ist keine neue Version des Lexus LFA, sondern ein eigenständiges Flaggschiff von Gazoo Racing.
Die Technik katapultiert Toyota in die Supersportwagen-Liga.
Laut Toyota Gazoo Racing nutzt der GR GT einen neuen 4,0-Liter-Twin-Turbo-V8 und einen in die Transaxle-Einheit integrierten Elektromotor. Die Entwicklungsziele liegen bei mehr als 650 DIN-PS, also 478 kW, und über 850 Nm Systemdrehmoment. Eine neue Achtgang-Automatik übernimmt die Schaltarbeit, das Layout bleibt klassisch mit Frontmotor und Hinterradantrieb.
Der GR GT ist 4820 mm lang, 2000 mm breit und 1195 mm hoch, der Radstand beträgt 2725 mm. Toyota peilt ein Leergewicht von unter 1750 kg, eine heckbetonte Gewichtsverteilung von 45:55 und eine Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h an. Dazu kommen Toyotas erste vollständige Aluminium-Rahmenstruktur, CFK-Karosserieteile, Doppelquerlenkerachsen, Carbon-Keramik-Bremsen und eigens entwickelte Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Reifen.
Toyota jagt nicht der höchsten Leistungszahl im Feld hinterher. Die Chevrolet Corvette ZR1X leistet mit ihrem Hybrid-Allradantrieb 932 kW und erreicht offiziell 96 km/h in 1,89 Sekunden. Der Ford Mustang GTD bietet 608 kW, 900 Nm und 325 km/h Spitze. In Europa kontert der Ferrari 296 GTB mit 610 kW, 740 Nm, 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und mehr als 330 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Auf dem Papier liegt der GR GT bei der reinen Leistung hinter einigen Konkurrenten. Sein Argument ist ein anderes: niedriger Schwerpunkt, hintere Transaxle-Anordnung, Trockensumpfschmierung, mechanisches Sperrdifferenzial und eine Architektur, die er sich mit Toyotas GT3-Programm teilt.
Für Europa ist der Preis vorerst nicht die entscheidende Frage.
Autoblog nennt als US-Zielpreis mehr als 225.000 Dollar, umgerechnet etwa 193.000 Euro, vor Steuern, Importzöllen und weiteren europäischen Kosten. Einen endgültigen Europa-Preis oder einen präzisen Vertriebsplan hat Toyota noch nicht bestätigt.
Für Europa zählt stärker, ob Toyota den GR GT unter Emissionsvorgaben und dem Kostendruck einer Kleinserie am Leben halten kann. Toyota erklärt, den Antrieb mit Blick auf strengere Emissionsregeln zu entwickeln. Das gibt dem GR GT bessere Chancen als einem reinen Benzin-Supersportwagen. Trotzdem ist er kein Plug-in-Hybrid nach Art des Ferrari 296. Er ist ein performanceorientierter Hybrid, deshalb verschaffen innerstädtische Null-Emissions-Zonen Toyota nicht denselben praktischen Vorteil.
Warum dieses Auto für Toyota wichtig ist.
Der GR GT leistet für Toyota das, was der LFA für Lexus geleistet hat. Er beweist, dass ein Volumenhersteller noch immer ein Auto bauen kann, bei dem die Buchhaltung nicht jedes letzte Detail diktiert. Der Unterschied liegt im Timing. Der LFA entstand am Ende der V10-Ära. Der GR GT kommt in eine Welt, in der Supersportwagen gleichzeitig Emotion liefern, Regulierung erfüllen und ein Motorsport-Geschäftsmodell stützen müssen.
Wenn Toyota Käufer streng auswählt, schützt das Restwerte und Markenimage. Wenn das GR Meisters Programme funktioniert, könnte Toyota eine Kundenbeziehung aufbauen, die irgendwo zwischen Porsches GT-Abteilung und Ferraris Kultur der Sonderserien liegt.
Für GR wäre das ein großer Sprung. Yaris, Corolla und Supra haben Begeisterung von unten aufgebaut. Der GR GT muss sie nun von oben krönen.
Technischer Kurzüberblick
Antrieb: 4,0-Liter-Twin-Turbo-V8-Hybrid mit mindestens 478 kW und 850 Nm.
Kraftübertragung: Achtgang-Automatik, hintere Transaxle-Anordnung, Hinterradantrieb und mechanisches Sperrdifferenzial.
Dynamik: Zielgewicht unter 1750 kg, Gewichtsverteilung von 45:55 und Höchstgeschwindigkeit über 320 km/h.
Konstruktion: Toyotas erste vollständige Aluminium-Rahmenstruktur, CFK-Paneele und Carbon-Keramik-Bremsen.
Marktposition: US-Zielpreis von über 225.000 Dollar, etwa 193.000 Euro, vor europäischen Kosten.
Toyota hätte den GR GT einfach als das nächste teure, schnelle Ding bauen können. Stattdessen scheint die Marke Besitzer zu suchen, die ihn weniger wie eine Quittung behandeln und mehr wie eine Verantwortung.