Tesla Model 3
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Tesla verschiebt das Model 3 Plaid, weil die kleine Limousine dem Roadster zu nahe käme

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 29.05.2026

Tesla legt das dreimotorige Model 3 Plaid vorerst nicht auf. Für Enthusiasten klingt die Idee verlockend. Schon das Model 3 Performance zählt mit 3,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu den schärfsten Elektro-Limousinen auf dem europäischen Markt. Ein dritter Motor wirkt da fast wie der logische nächste Schritt.

Für Tesla geht es dabei aber nicht nur um Tempo. Ein kompaktes Plaid-Modell würde zusätzliche Entwicklungsarbeit verlangen, Ressourcen binden und gefährlich nah an das Revier des Roadster rücken.

Das Model 3 Plaid stößt an die Grenzen des Bauraums

Lars Moravy, Teslas Vice President of Vehicle Engineering, beschrieb die Idee eines dreimotorigen Model 3 als extrem enges Bauraumproblem. Er sagte, er denke oft über ein solches Auto nach, auch über Rotoren mit Carbon-Ummantelung. Zwei hintere Antriebsmotoren samt der nötigen Kühlung in die kompakte Karosserie des Model 3 zu bekommen, würde jedoch erheblichen Aufwand erfordern.

Tesla müsste also nicht einfach nur einen weiteren Motor an die Hinterachse schrauben. Die Plaid-Philosophie lebt von sehr hoher Dauerleistung, thermischer Stabilität und präziser Momentenverteilung. Das aktuelle Model 3 Performance nutzt bereits Allradantrieb über zwei Motoren, 20-Zoll-Warp-Räder, geringere Bodenfreiheit und Supercharging mit bis zu 250 kW.

Laut Tesla schafft das Model 3 Performance bis zu 571 km nach WLTP, beschleunigt in 3,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, verbraucht offiziell 16,5 kWh je 100 km und wiegt 1.851 kg.

Das aktuelle Performance-Modell macht Plaid weniger dringlich

Das Model 3 Performance steht schon jetzt außerordentlich stark da. Es ist schneller als der BMW i4 M50, den BMW mit 400 kW und 795 Nm angibt, der für den Sprint von 0 auf 100 km/h aber 3,9 Sekunden benötigt. Gleichzeitig rückt der Tesla unangenehm nah an teurere Versionen des Porsche Taycan heran. Der Taycan 4S erledigt dieselbe Übung in 3,7 Sekunden, der GTS in 3,3 Sekunden.

An Geschwindigkeit mangelt es Teslas kleiner Limousine also nicht. Was fehlt, ist die kaufmännische Notwendigkeit. Ein dritter Motor würde zusätzliches Gewicht bringen, höhere Anforderungen an die Kühlung stellen und wahrscheinlich die Effizienz verschlechtern. Europäische Käufer schauen inzwischen ohnehin über reine Beschleunigungswerte hinaus. WLTP-Reichweite, Garantiebedingungen, Ladeleistung und Energieverbrauch zählen genauso.

In diesem Umfeld liefert das Model 3 Performance eine seltene Kombination: 3,1 Sekunden, 571 km WLTP und 16,5 kWh je 100 km.

Tesla verschiebt den Fokus vom Auto zum Plattformgeschäft

Moravy sagte, Tesla müsse Aufwand und Ertrag gegeneinander abwägen. Derzeit lenkt das Unternehmen Ressourcen in Richtung Robotaxi und Optimus, während das lange erwartete Roadster-Projekt weiterlebt. Reuters berichtete im Januar 2026, Tesla habe den Produktionsplan für den Cybercab in diesem Jahr bestätigt und die Investitionen auf KI, Roboter, Semi und die Entwicklung des Roadster ausgerichtet.

Ein Model 3 Plaid hätte zweifellos einen starken Strahleffekt. Doch genau dieser Glanz könnte zurückschlagen. Würde eine vergleichsweise erschwingliche Limousine dem Roadster nahekommen oder ihn in einzelnen Alltagsdisziplinen sogar schlagen, verlöre der Supersportwagen einen Teil seiner Daseinsberechtigung. Deshalb wirkt Teslas Zurückhaltung logisch. Das Model 3 muss Stückzahlen bringen. Der Roadster muss den Traum tragen.

Der Cybertruck bleibt Teslas dreimotoriges Aushängeschild

Nach dem Ende von Model S und Model X schrumpfte Teslas dreimotoriges Angebot faktisch auf den Cybertruck Cyberbeast. Laut Tesla USA bietet der Cyberbeast eine geschätzte Reichweite von 515 km, beschleunigt in 2,6 Sekunden von 0 auf etwa 96 km/h, erreicht 209 km/h Spitze, wiegt 3.113 kg und darf bis zu 4.990 kg ziehen.

Das zeigt: Tesla weiß sehr genau, wie man einen Dreimotorantrieb einsetzt, wenn Bauraum und Geschäftsmodell zusammenpassen. Ein großer Pick-up steckt die zusätzliche Masse leichter weg, während seine Käufer Leistung, Anhängelast und brutale Geradeausbeschleunigung schätzen. Im Model 3 müsste Tesla jedes Kilogramm deutlich härter rechtfertigen.

In Europa wäre Plaid eher Imageträger als Verkaufsmotor

In Europa würde ein Model 3 Plaid direkt auf teure elektrische Performance-Autos zielen, der tatsächliche Effekt auf die Verkäufe bliebe aber wohl begrenzt. Innerhalb der Tesla-Palette funktioniert das Model Y besser als Familienauto. Das Model Y Performance bietet 580 km WLTP-Reichweite, 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 2.138 Liter Gepäckraum.

Falls Tesla jemals ein Plaid-Emblem auf ein kleineres Modell setzt, hätte das Model Y die stärkere wirtschaftliche Begründung. Die SUV-Nachfrage in Europa bleibt robust, Alltagstauglichkeit verkauft sich besser als der tiefere Schwerpunkt einer Limousine, und das Model Y Performance liegt technisch bereits nah am Model 3.

Ein Model 3 Plaid wäre ein Wunschtraum für Enthusiasten. Ein Model Y Plaid könnte schlicht mehr Geld verdienen.

Technik im Überblick

Das Tesla Model 3 Performance bietet 571 km WLTP-Reichweite, beschleunigt in 3,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und kommt auf einen offiziellen Energieverbrauch von 16,5 kWh je 100 km.

Ein dreimotoriges Model 3 Plaid würde eine komplexe Neuanordnung von Hinterachse, Kühlsystem und Leistungselektronik erfordern.

Der BMW i4 M50 liegt bei der Beschleunigung hinter dem Model 3 Performance, mit 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h gegenüber 3,1 Sekunden beim Tesla.

Der Porsche Taycan GTS setzt mit 3,3 Sekunden bereits einen teureren Maßstab für die Mischung aus Tempo und Gegenwert, die das Model 3 Performance bietet.

Vorerst scheint Tesla zufrieden damit, die Plaid-Technik im Umfeld des Cybertruck Cyberbeast und des künftigen Roadster zu halten, wo Inszenierung genauso zählt wie die Stoppuhr.