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Tesla Autopilot (Supervised)
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Tesla macht Autopilot zum Luxus-Abo

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 19.02.2026

Als Elon Musk einst verkündete, Teslas Wert steige mit der Software-Kompetenz, hatte er wohl nicht diese Wendung im Sinn. Doch die ersten Monate des Jahres 2026 zeigen, wie sich diese Aussage aus einer anderen Perspektive bewahrheitet – und zwar direkt im Portemonnaie der Kunden.

Tesla hat das bislang serienmäßige Basic Autopilot-Paket bei Neuwagen in Nordamerika gestrichen. Kein technischer Defekt, sondern eine bewusste Geschäftsentscheidung: Spurhalteassistent wird zur kostenpflichtigen Abo-Option. Man stelle sich ein Hotel vor, das plötzlich für die Benutzung des Aufzugs kassiert, in der Annahme, die Gäste seien zu bequem für die Treppe.

Die Hardware bleibt identisch. Jeder neue Tesla verlässt das Werk mit denselben Kameras, Prozessoren und Sensoren. Die Einschränkung erfolgt rein per Software. Funktionen, die physisch längst an Bord sind, werden nun hinter einer Bezahlschranke versteckt.

Das führt zu einer kuriosen Marktverzerrung: Günstigere Modelle der Konkurrenz bieten teils mehr Assistenzsysteme ab Werk als das Vorzeigeprodukt aus dem Silicon Valley.

Ab Januar 2026 erhalten Käufer eines neuen Tesla Model 3 oder Model Y nur noch den abstandsregelnden Tempomaten (Traffic Aware Cruise Control) ohne Aufpreis. Das System hält Tempo und Abstand, doch das Lenken bleibt alleinige Aufgabe des Fahrers.

Die bisher serienmäßige Autosteer-Funktion ist jetzt Teil des Full Self Driving Supervised-Abos für 99 US-Dollar pro Monat. Parallel dazu verschwand der Name Autopilot in Kalifornien still und leise aus der offiziellen Kommunikation. Unter regulatorischem Druck spricht Tesla nun nur noch von Traffic Aware Cruise Control – klingt nüchtern, ist aber weniger glamourös.

Im Februar strich Tesla zudem die Möglichkeit, Full Self Driving für einmalig 8000 US-Dollar zu kaufen. Das Unternehmen setzt nun komplett auf das Abo-Modell.

Die Logik dahinter ist offensichtlich: Finanzmärkte honorieren planbare, wiederkehrende Einnahmen deutlich stärker als gelegentliche Einmalzahlungen. Ein monatlicher Geldstrom sieht in der Bilanz einfach besser aus als ein seltener Scheck.

Mit dem Software-Update 2026.2.3 wurde zudem die Funktion Trip Weights für Fahrzeuge mit Hardware 3 aktiviert. Damit kann Tesla auch Daten von Autos ohne Full Self Driving-Abo für das KI-Training im Hintergrund nutzen. Die Besitzer tragen zur Weiterentwicklung bei, ohne dafür eine neue Funktion zu erhalten.

Kritiker sprechen von Nötigung. Durch den Wegfall des kostenlosen Spurhaltens entsteht eine Lücke. Fahrer, die sich auf Autosteer bei langen Autobahnfahrten verlassen haben, werden subtil zum Abo gedrängt. Musks öffentliches Ziel von 10 Millionen aktiven Abonnenten rückt näher, wenn selbst Basis-Komfort plötzlich als Premium verkauft wird.

Für Tesla-Kunden wirft das unbequeme Fragen auf. Zwar gelten die Änderungen bislang nur in Nordamerika, doch Teslas Software-Politik schwappt erfahrungsgemäß früher oder später weltweit über.

Gerade in Märkten mit langen, monotonen Autobahnstrecken war Autosteer ein starkes Verkaufsargument. Wenn ein Toyota Corolla oder Honda Civic serienmäßig Spurhalteassistent bietet, ein deutlich teurerer Tesla aber ein Monatsabo verlangt, gerät das Preis-Leistungs-Verhältnis ins Wanken.

Hinzu kommt ein technischer Vorbehalt: Teslas reines Kamera-Vision-System ohne Radar hat bei starkem Regen, Schneematsch oder schlechter Sicht seine Schwächen. Monatlich für eine Funktion zu zahlen, die bei verschmutzten Kameras spontan aussteigt, dürfte nicht jedem Käufer gefallen.

Tesla hat seinen Ruf darauf gebaut, dass Software das eigene Auto ständig besser macht. Dieses Versprechen gilt weiterhin – allerdings nur noch, wenn das Abo aktiv bleibt.