Rivian R1S
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NHTSA prüft Rivian R1S und R1T wegen möglicher Probleme an der Hinterachse

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 01.06.2026

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat eine vorläufige Untersuchung zu Rivian R1S und R1T eingeleitet. Betroffen sind 114.922 Fahrzeuge. Im Fokus steht nicht die Batterie oder Software, sondern ein mechanisches Bauteil: der Spurlenker der Hinterachse, der die Radstellung hält. Er soll sich während der Fahrt aus seiner Befestigung lösen können und das Fahrzeug plötzlich aus der Spur bringen.

Noch handelt es sich nicht um einen Rückruf von 115.000 Fahrzeugen.

Laut NHTSA-Dokument hat die Behörde die vorläufige Bewertung PE26004 eröffnet. Sie betrifft R1S und R1T der Modelljahre 2022 bis 2025, insgesamt 114.922 Fahrzeuge. Eine solche Untersuchung kann zu einem Rückruf führen. Derzeit will die NHTSA jedoch klären, ob das Problem über einen Fehler in Rivians früherem Serviceverfahren hinausgeht.

Auslöser waren zwei Beschwerden von Besitzern. In beiden Fällen beschrieben sie, dass sich das Gelenk des linken hinteren Spurlenkers während der Fahrt löste. Dadurch sei das Fahrzeug über mehrere Fahrspuren hinweg ausgeschert. Ein Vorfall endete mit einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug und einer Leitplanke. Nach Angaben der NHTSA gab es in den beiden untersuchten Fällen weder Verletzte noch Todesopfer.

Ein kleines Bauteil kann das Fahrverhalten schlagartig verändern.

Der Spurlenker der Hinterachse ist der Lenker, der den Richtungswinkel des Rads fixiert. Er bestimmt, wie das Hinterrad zur Längsachse des Fahrzeugs läuft. Versagt der Lenker oder seine Befestigung, verliert das Hinterrad seine präzise Geometrie. Ein schweres Elektrofahrzeug kann dann abrupt seitlich ausbrechen.

Bei Rivian wiegen Fahrzeuggewicht und Leistungsfähigkeit besonders schwer. R1T und R1S sind keine gewöhnlichen Elektroautos. Es sind große Allradmodelle für Abenteuer- und Geländeeinsätze, mit schwerer Batterie, Anhängelast und häufigem Einsatz auf schlechten Untergründen. Rivian gibt an, dass der Gen 2 R1T je nach Batterie und Antrieb bis zu 3.493 kg oder 4.990 kg ziehen kann. Der R1S kommt auf bis zu 3.493 kg. In dieser Lastklasse muss die Hinterachse vertikale Stöße ebenso verkraften wie erhebliche Querkräfte.

Rivian hatte im Januar bereits 19.641 Fahrzeuge zurückgerufen.

Im Hintergrund steht eine frühere Maßnahme. Laut NHTSA-Rückruf 26V003 vom Januar waren 19.641 Rivian betroffen, konkret 7.031 R1S und 12.610 R1T. Diese Fahrzeuge wurden gewartet, wobei das hintere Spurlenkergelenk getrennt und anschließend nach dem alten Verfahren wieder montiert wurde. Seit dem 10. März 2025 verwendet Rivian eine aktualisierte Methode.

Die Rückrufbeschreibung war deutlich. Ein nach dem alten Verfahren wieder montiertes Gelenk könne unbeabsichtigten Belastungen ausgesetzt werden. Der Spurlenker könne sich später während der Fahrt lösen, wodurch das Unfallrisiko ohne vorherige Warnung steigen könne. Rivian entschied sich am 26. Dezember 2025 für einen freiwilligen Rückruf und kündigte an, potenziell betroffene Spurlenkerschrauben nach dem aktualisierten Verfahren kostenlos zu ersetzen.

Nun will die NHTSA wissen, ob das Problem auf bei Servicearbeiten falsch montierte Fahrzeuge beschränkt bleibt oder ob es auf eine breitere Empfindlichkeit der Hinterachse der R1-Plattform hinweist. Die Behörde untersucht die Haltbarkeit des Bauteils unter Straßenbedingungen und bei Servicearbeiten. Außerdem vergleicht sie physische Bruchspuren aus den beiden Vorfällen, bewertet Rivians aktuelles Reparaturverfahren und prüft den Zustand von Spurlenkern in bereits zugelassenen Fahrzeugen.

Rivian widerspricht dem Hinweis auf einen Konstruktionsfehler.

Nach Angaben von Reuters argumentiert Rivian, interne Daten zeigten, dass das Spurlenkergelenk des R1 wie vorgesehen funktioniere. Das Unternehmen erklärte zudem, es arbeite mit der NHTSA bei der vorläufigen Untersuchung zusammen. Die eigene Prüfung zeige jedoch nicht, dass die beiden Beschwerden einen Konstruktionsfehler des Gelenks belegten.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Sieht die NHTSA ein systemisches Konstruktionsrisiko, könnte dem Unternehmen ein deutlich größerer Rückruf drohen. Kommt die Behörde zu dem Schluss, dass das Problem auf einen früheren Servicefehler oder Einzelfälle zurückgeht, fällt die Tragweite kleiner aus. Derzeit bleibt es eine Untersuchung, kein bestätigter Rückruf von 114.922 Fahrzeugen.

Für Europa wirkt Rivian weit weg, die Lehre liegt dennoch nahe.

R1S und R1T werden in Europa nicht offiziell in großem Umfang verkauft. Auf Rivians eigener Supportseite heißt es, Reservierungen seien derzeit auf die USA und Kanada beschränkt. Die Untersuchung betrifft daher vor allem Besitzer in Nordamerika, nicht Kunden in europäischen Autohäusern.

Trotzdem sendet der Fall ein klares Signal nach Europa. Große elektrische SUV und Pick-ups bringen ein neues Problem mit. Die Batterie erhöht das Gewicht, die Motoren liefern ihr Drehmoment sofort, und Offroad-Modi lassen das Fahrwerk unter Bedingungen arbeiten, die ein gewöhnlicher Premium-SUV selten erlebt. Mercedes-Benz G 580 mit EQ Technologie, Range Rover Electric, Volvo EX90 und künftige elektrische Nutzfahrzeuge müssen alle beweisen, dass ihre mechanische Haltbarkeit mit der brachialen Reaktion elektrischer Antriebe Schritt hält.

Der Zeitpunkt ist für Rivian ungünstig.

Rivian braucht derzeit Vertrauen. Das Unternehmen baute 2025 insgesamt 42.284 Fahrzeuge und lieferte 42.247 aus. Die Wachstumsgeschichte hängt jedoch zunehmend am günstigeren R2. Im April 2026 teilte Rivian mit, die Produktion verkaufsfähiger R2-Fahrzeuge begonnen und die ersten Autos an Mitarbeiter ausgeliefert zu haben. Kundenauslieferungen sollen bald folgen.

Deshalb trifft die Untersuchung der Hinterachse die Marke in einer angespannten Phase. R1T und R1S haben Rivians Ruf als robuste, leistungsstarke und technologisch anspruchsvolle Elektrofahrzeuge begründet, die tatsächlich ins Gelände passen. Bleiben Zweifel an der Haltbarkeit ihrer Spurlenker oder Befestigungen, betrifft das nicht nur aktuelle Besitzer. Es berührt auch die Glaubwürdigkeit des R2, denn dieses kleinere und günstigere Modell soll Rivian vom Nischenanbieter zu einem größeren Hersteller machen.

Technische Zusammenfassung

Die vorläufige NHTSA-Bewertung PE26004 umfasst 114.922 Rivian R1S und R1T der Modelljahre 2022 bis 2025.

Die Untersuchung konzentriert sich auf den Spurlenker der Hinterachse, also den Lenker, der das Hinterrad in Spur hält.

Zwei Besitzerbeschwerden schilderten, dass sich das Gelenk des linken hinteren Spurlenkers löste. Ein Fall endete mit einer Kollision.

Im Januar rief Rivian 19.641 Fahrzeuge wegen eines Serviceverfahrens an demselben Bauteil zurück.

Ein Rückruf von 114.922 Fahrzeugen ist nicht bestätigt. Die NHTSA bewertet den Umfang des Problems weiterhin.