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Porsche Mission X
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Porsches nächster Supersportler könnte aus Notwendigkeit entstehen, nicht aus Lust

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 13.03.2026

Die Spekulationen über einen neuen Porsche-Supersportler flammen ausgerechnet in dem Moment wieder auf, in dem die Finanzzahlen des Unternehmens weniger nach Siegesrunde als nach Massenkarambolage aussehen. Der neue Chef Michael Leiters sagte, Porsche prüfe Modelle oberhalb der aktuellen zweitürigen Sportwagen und sogar oberhalb des Cayenne, weil dort das Geld verdient wird. Mehr Gewinn, mehr Spielraum für Individualisierung und, so der Verdacht, weniger Druck, Preise öffentlich zu senken.

Die Zahlen erklären die Stimmung besser als jedes glattpolierte Pressefoto. 2025 sank der Umsatz von Porsche auf 36,27 Milliarden Euro, während der operative Gewinn auf 413 Millionen Euro schrumpfte.

Ein neues Feld oberhalb des 911

Leiters sagte nicht, welche Form ein neuer Porsche-Supersportler annehmen könnte. Genau das macht die Geschichte interessant. Porsche lässt die Tür bewusst einen Spalt offen, denn in diesem Marktsegment kann ein teures Geheimnis fast so gut funktionieren wie ein fertiges Auto.

Das letzte Modell in dieser Höhe war der 918 Spyder, dessen Produktion 2015 endete. 2023 zeigte Porsche dann das Konzept Mission X, einen zweisitzigen elektrischen Hypercar. Die Idee ist also offenkundig nie ganz vom Tisch verschwunden.

Das ist wichtig, weil Porsche hier nicht einfach mit Fantasien spielt. Der Hersteller tastet sich an eine reichere Schicht des Marktes heran, in der Knappheit, Inszenierung und maßgeschneiderte Optionen weiterhin viel Gewicht haben.

Auch oberhalb des Cayenne ist Platz für ein weiteres Flaggschiff

Diese Logik endet nicht bei Sportwagen. Porsche bestätigte zudem, dass man Modelle oberhalb des Cayenne prüft. Berichte von Bloomberg und jüngere Branchengerüchte deuten darauf hin, dass das Unternehmen einen großen SUV im Blick hat, verwandt mit dem Audi Q9, und einen, der sich womöglich nicht mehr ausschließlich auf Elektroantrieb stützt.

Die Richtung scheint derzeit eher zu Verbrennungsmotoren und Hybriden zu tendieren. Im Luxussegment zählt Flexibilität aktuell mehr als ideologische Reinheit. Käufer in diesem Teil des Marktes mögen weiterhin die große Ansage zur Zukunft, sie mögen aber auch, irgendwohin fahren zu können, ohne ihr Leben um eine Ladesäule herum zu planen.

Geld zwingt die Legende zu nüchternerem Denken

Porsche spricht nicht im luftleeren Raum über ein neues Flaggschiff. Das Unternehmen kündigte an, das Management zu vereinfachen, Hierarchien zu straffen und Kosten zu senken. Der Absatz fiel 2025 auf 279.449 Autos, ein Minus von 10,1 Prozent. Die Umsatzrendite rutschte von 14,1 Prozent auf 1,1 Prozent.

Porsche hofft, 2026 wieder auf 5,5 bis 7,5 Prozent zu kommen. Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass die Marktbedingungen schwierig bleiben werden, besonders in China und im Preiswettbewerb bei Elektroautos. Einfach gesagt: Ein neues Halo-Car entstünde nicht allein aus Romantik. Es würde auch einem deutlich prosaischeren Zweck dienen, nämlich die Margen zu heben.

Das ist der rote Faden. Porsche scheint Wachstum über geringere Stückzahlen, höhere Preise und mehr Individualisierung zu suchen. Ferrari spielt dasselbe Spiel, allerdings aus einer deutlich stärkeren Position. 2025 erreichte die EBIT-Marge dort 29,5 Prozent, und das Auftragsbuch reichte bis Ende 2027, während Porsche versucht, mit derselben Luxuslogik nach einem harten Jahr wieder Stabilität zu gewinnen.

Im Grunde ist es ein altes Rezept. Weniger Autos verkaufen, mehr dafür verlangen und jeden Käufer das Gefühl geben, ganz individuell umsorgt zu werden. Der Unterschied ist nur: In Stuttgart wird dieses Gericht derzeit mit spürbar weniger ruhiger Hand serviert.