Peugeot Hypersquare: Lenkrad war gestern
Peugeot bringt das Thema Lenkung mit Nachdruck auf die Agenda – nicht als Skizze oder ferne Vision, sondern als funktionierendes System. Der französische Hersteller testet im realen Straßenverkehr ein elektronisches Lenksystem, das auf einem ungewöhnlichen, fast quadratischen Bedienelement namens Hypersquare basiert. Die öffentliche Premiere ist für die nächste Generation des Peugeot 208 geplant.
Peugeot erprobt derzeit das sogenannte Steer-by-Wire, ein System, bei dem keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkeinheit und Vorderrädern existiert. Stattdessen übernehmen Elektromotoren die Radbewegungen, während das Lenkgefühl rein elektronisch simuliert wird – physische Gestänge entfallen komplett.
Wie das Handelsblatt berichtet, bleibt es bei Peugeot nicht bei einem technischen Prototypen. Die Franzosen luden Journalisten ein, das System selbst zu testen – ein ungewöhnlich offener Schritt, der Selbstbewusstsein und den Wunsch nach frühem Feedback signalisiert. In dieser Entwicklungsphase lassen Hersteller sonst selten Außenstehende ans Steuer.
Das Hypersquare hat mit einem klassischen Lenkrad wenig gemein. Es erinnert eher an ein kompaktes Bedienfeld, fast quadratisch, mit vier runden Mulden für die Daumen. In die oberen Mulden will Peugeot Tasten für Nebenfunktionen integrieren, sodass der Fahrer wichtige Features bedienen kann, ohne die Handposition zu verändern.
Laut Handelsblatt erwies sich das Hypersquare als überraschend benutzerfreundlich. Die Form wirkt zunächst exzentrisch, doch die Handhaltung wird schnell zur zweiten Natur. Genau diese Lernkurve dürfte über Erfolg oder Misserfolg des Konzepts entscheiden.
Ein großer Vorteil des Steer-by-Wire-Systems liegt im Komfort: Da keine Vibrationen mehr direkt von den Rädern übertragen werden, wirkt das Lenkgefühl ruhiger und klarer. Die Rückmeldung wird per Software erzeugt und kann je nach Fahrsituation angepasst werden.
Die Peugeot-Ingenieure haben eine dynamisch variable Lenkübersetzung realisiert. Beim Rangieren reagiert die Lenkung extrem direkt, bei höheren Geschwindigkeiten wird sie länger und vermittelt mehr Stabilität. Tester berichteten, dass das Manövrieren bei niedrigen Tempi zunächst zu sensibel und nervös wirkte, doch die Eingewöhnung erfolgte rasch.
Im Serienmodell soll das System verschiedene Fahrmodi bieten. Einer davon imitiert das klassische Lenkgefühl möglichst genau, damit sich Fahrer nicht wie im Cockpit eines Flugzeugs fühlen. Peugeot will seine Kunden also nicht schocken, sondern sie behutsam an die neue Technik heranführen.
Der Schritt der Franzosen zeigt, wie die Mechanik an Bedeutung verliert und Software immer wichtiger wird. Steer-by-Wire ebnet den Weg für autonome Systeme und neue Innenraumkonzepte, bei denen das Lenkelement weder rund noch dauerhaft sichtbar sein muss. Gleichzeitig beweist der vorsichtige Multimodus-Ansatz, dass die Hersteller wissen, wie emotional das Thema Lenkung für viele bleibt. Das klassische Lenkrad verschwindet also nicht von heute auf morgen – es verwandelt sich leise in einen elektronischen Kompromiss.