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Mercedes-Maybach S-Class
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Mercedes-Maybach S-Klasse überarbeitet: lederfreier Innenraum, mehr Digitaltechnik, V12 bleibt

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 25.03.2026

Mercedes-Maybach hat seine S-Klasse überarbeitet. Die Luxuslimousine bekommt erstmals einen lederfreien Innenraum, ein noch auffälligeres Exterieur und mehr Bildschirme im Innenraum. An der Spitze des Programms bleibt dennoch ein V12. Die Produktion startet im April in Sindelfingen.

Äußerlich verzichtet Mercedes auf jede Zurückhaltung. Der Maybach-Kühlergrill ist um 20 Prozent gewachsen, an seiner oberen Kante sitzt nun ein beleuchteter Maybach-Schriftzug. Auch die Logos an der C-Säule und die Kühlerfigur lassen sich in die Lichtinszenierung einbeziehen. Die Scheinwerfer tragen nun roségoldene Details. Neu auf der Optionsliste stehen außerdem 20- und 21-Zoll-Räder, darunter Designs mit selbstaufrichtenden Nabenkappen. Subtiler ist die Form nicht geworden. Mercedes hat das Auto ganz bewusst präsenter gemacht.

Im Innenraum setzt sich diese Linie fort, nur in anderer Form. Erstmals bietet Maybach das Modell mit einem lederfreien Interieur an. Dabei kombiniert Mercedes ARTICO-Kunstleder mit Mirville-Gewebe aus Leinen und recyceltem Polyester. Das versteht die Marke nicht als Abkehr vom Luxus, sondern als Erweiterung seines Begriffs. Der handwerkliche Eindruck soll erhalten bleiben, zugleich richtet sich die Materialwahl stärker an Käufer, die Prestige zunehmend mit bewussterem Konsum verbinden.

Gleichzeitig erhält der Maybach erstmals den MBUX Superscreen auf Basis von MB.OS. Fondpassagiere bekommen 13,1-Zoll-Displays, Bedieneinheiten und Kameras für Videotelefonie serienmäßig. Der Innenraum wird damit nicht nur digitaler, sondern inszeniert Technik ausdrücklich als Teil des Gesamterlebnisses. Auch die Benutzeroberfläche soll sich in einem Maybach in dieses Konzept einfügen.

Beim Antrieb hält Mercedes an klassischen Luxusmerkmalen fest und passt die Formel nur behutsam an. Der S 580 nutzt nun einen stärkeren elektrisch unterstützten V8 mit 530 PS und 750 Nm. Der S 680 behält seinen 6,0-Liter-Biturbo-V12 mit 621 PS. Der V12 bleibt allerdings nur in ausgewählten Märkten erhältlich. In einigen Ländern wird Mercedes außerdem einen Plug-in-Hybrid auf Basis eines Reihensechszylinders anbieten.

Das ist relevant, weil Maybach-Kunden ihre Entscheidung nicht mehr allein an der Zylinderzahl festmachen, Mercedes aber offenkundig weiß, dass sie weiterhin eine Rolle spielt. Gerade in diesem Segment gehört Symbolik zum technischen Lastenheft. Ein lederfreier Innenraum steht für bestimmte Werte, ein V12 für andere. Mercedes sieht keinen Grund, beides nicht in einem Auto anzubieten.

Der größere Zusammenhang ist wirtschaftlicher Natur. Bei der Vorstellung der Ergebnisse für 2025 erklärte der Konzern, dass bereits jede dritte verkaufte S-Klasse ein Maybach war. In China lag der Anteil bei jeder zweiten. Zudem bezeichnet Mercedes das Top-End-Segment weiterhin als strategisches Wachstumsfeld, in dessen Zentrum Maybach als Ausdruck verfeinerten Luxus steht.

Die überarbeitete S-Klasse ist damit mehr als ein gewöhnliches Facelift zur Mitte des Modellzyklus. Sie ist Teil eines größeren Plans, die Margen zu sichern, während Elektrifizierung, Konkurrenz aus China und das Wettrüsten bei der Technik die Regeln im Premiumsegment neu schreiben. Mercedes poliert hier nicht einfach nur eine Limousine, sondern stärkt eines seiner profitabelsten Statements.

Gerade das macht den neuen Maybach interessant. In einem Auto verbindet Mercedes zwei Werte, die auf den ersten Blick in entgegengesetzte Richtungen weisen könnten: bewusstere Materialwahl und die volle Inszenierung einer V12-Hierarchie. Für den Hersteller ist das kein Widerspruch, sondern eine Lesart des Marktes. Luxuskäufer entscheiden nicht mehr nur nach Hubraum, sondern auch danach, wie ein Auto Geschmack, technologischen Anspruch und gesellschaftliche Haltung vermittelt.

Mercedes arbeitet erkennbar daran, den Maybach von einem reinen Symbol chauffierter Repräsentation zu einer softwarebetonten, stark personalisierbaren Luxusplattform weiterzuentwickeln, die mehrere Wertesysteme zugleich ansprechen kann. In diesem Sinn versucht die überarbeitete S-Klasse nicht festzulegen, was moderner Luxus sein soll. Sie setzt vielmehr darauf, dass die wohlhabendsten Kunden lieber alles auf einmal haben möchten.