Mercedes senkt den Preis des elektrischen GLC, hält aber am 800-Volt-Laden fest
Mercedes-Benz erweitert das vollelektrische GLC-Angebot um zwei günstigere Versionen. Mit dem neuen GLC 250 und dem GLC 300 4MATIC sinkt der deutsche Einstiegspreis auf 64.736 Euro, erhalten bleiben aber eine 85-kWh-Batterie, die 800-Volt-Architektur und DC-Schnellladen mit bis zu 320 kW. Damit wird der elektrische GLC zu einem deutlich ernsthafteren Rivalen für BMW iX3 und Audi Q6 e-tron.
Der elektrische GLC muss nicht länger oberhalb von 71.000 Euro starten.
Mercedes-Benz hat den elektrischen GLC zunächst vorsichtig eingeführt und die Baureihe mit dem GLC 400 4MATIC eröffnet. Diese Version leistet 360 kW, nutzt eine 94-kWh-Batterie und kostet ab 71.281 Euro.
Nun sind in Deutschland auch der GLC 250 und der GLC 300 4MATIC bestellbar. Sie reduzieren Leistung und Batteriekapazität, behalten aber den wichtigsten technischen Vorteil des Modells: das schnelle 800-Volt-Ladesystem.
Der GLC 250 startet in Deutschland bei 64.736 Euro, der GLC 300 4MATIC bei 68.306 Euro. Das ist wichtiger, als es der Preisabstand auf den ersten Blick vermuten lässt. Ein Einstiegspreis, der rund 6500 Euro niedriger liegt, rückt den elektrischen GLC aus der Nische des luxuriösen Elektro-SUV heraus und näher an ein konventionelles Premium-Familien-SUV. Günstig ist er damit noch immer nicht, das Kaufargument wird aber deutlich rationaler.
Der GLC 250 könnte die beste Wahl sein
Der GLC 250 nutzt einen einzelnen Elektromotor an der Hinterachse und kommt auf 260 kW. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 5,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Die nutzbare Batteriekapazität beträgt 85 kWh, die WLTP-Reichweite liegt laut den deutschen Daten bei bis zu 647 km.
Damit ist selbst der günstigste elektrische GLC alles andere als eine schwache Einstiegsversion. Für ein Familien-SUV sind 260 kW bereits mehr als ausreichend, zumal ein Elektroantrieb seine Leistung unmittelbar bereitstellt. Der Hinterradantrieb dürfte zudem der Effizienz helfen, weil das Auto nicht permanent einen zweiten Antriebsmotor mitversorgen muss.
Das könnte den GLC 250 zur schlüssigsten Variante für Käufer machen, die keinen Allradantrieb brauchen und nicht für die volle Leistung des GLC 400 4MATIC bezahlen wollen.
Die britischen Angaben bestätigen dasselbe technische Bild. Dort ist der GLC 250 ebenfalls mit 260 kW, einer 85-kWh-Batterie, 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und einer Ladezeit von 22 Minuten für 10 bis 80 Prozent gelistet. Die britische Reichweitenangabe von bis zu 389 Meilen, also rund 626 km, zeigt ebenfalls, wie stark das offizielle WLTP-Ergebnis von Ausstattung, Radgröße und Homologationskonfiguration abhängt.
Der GLC 300 4MATIC wirkt wie die logische Mitte
Der GLC 300 4MATIC nutzt dieselbe 85-kWh-Batterie, ergänzt sie aber um einen zweiten Elektromotor und Allradantrieb. Die Systemleistung steigt auf 310 kW, die Zeit für 0 bis 100 km/h sinkt auf 4,7 Sekunden und die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 613 km. In Deutschland beginnen die Preise bei 68.306 Euro.
Für Mercedes-Benz könnte das die strategisch wichtigste Version werden. Der GLC 300 4MATIC ist nur 2975 Euro günstiger als der GLC 400 4MATIC, verkauft sich also nicht allein über den Preis. Sein Argument ist die Balance: Allradantrieb, sehr starke Fahrleistungen, eine kleinere Batterie und eine Ladeleistung von 320 kW.
Für Käufer, die das 360-kW-Topmodell nicht brauchen, bietet der GLC 300 4MATIC einen Großteil des gleichen Alltagsnutzens zu einem etwas niedrigeren Preis.
Mercedes kürzt die Batterie, nicht die Ladetechnik
Die klügste Entscheidung betrifft das Laden. GLC 250 und GLC 300 4MATIC nutzen eine 85-kWh-Batterie, behalten aber die 800-Volt-Architektur und DC-Schnellladen mit bis zu 320 kW. Eine Ladung von 10 auf 80 Prozent dauert 22 Minuten, genauso lange wie beim GLC 400 4MATIC mit seiner 94-kWh-Batterie. Das Topmodell lädt mit bis zu 330 kW, im realen Einsatz dürften die zusätzlichen 10 kW aber kaum entscheidend sein.
Damit bleibt eine der größten Stärken des elektrischen GLC erhalten. Auf langen Strecken bestimmen nicht nur Batteriekapazität, sondern auch Ladegeschwindigkeit und die Konstanz der Ladekurve den Komfort. Wenn der GLC mit kleinerer Batterie denselben 22-Minuten-Ladestopp schafft, verliert der GLC 250 auf dem Papier etwas Reichweite, wird aber nicht zum langsamen Langstreckenauto.
Der BMW iX3 ist der härteste Prüfstein
Der neue BMW iX3 ist der ernsthafteste Rivale des elektrischen GLC. Nach offiziellen britischen BMW-Angaben bietet er bis zu 500 Meilen, also rund 805 km, WLTP-Reichweite, bis zu 400 kW Ladeleistung und bis zu 371 km zusätzliche Reichweite in 10 Minuten.
In Deutschland hat BMW zudem eine günstigere iX3-Einstiegsversion eingeführt. Sie startet bei 67.200 Euro und nutzt einen 235-kW-Hinterradantrieb, eine 82,6-kWh-800-Volt-Batterie, bis zu 637 km WLTP-Reichweite und DC-Laden mit bis zu 300 kW.
Vor diesem Hintergrund wird der GLC 250 besonders interessant. Mercedes bietet mehr Leistung, eine etwas größere Batterie und eine ähnliche Reichweite für 64.736 Euro. BMW dürfte mit besserer Effizienz, der Aktualität der Neuen Klasse und dem Eindruck eines größeren Technologiesprungs dagegenhalten.
Für Käufer wird die Wahl damit sehr spezifisch. Mercedes bietet das vertrautere, luxuriösere GLC-Erlebnis. BMW bringt die Geschichte einer Elektroplattform der neuen Generation mit.
Der Audi Q6 e-tron setzt andere Schwerpunkte
Der Audi Q6 e-tron spielt in derselben Klasse, setzt aber etwas andere Akzente. Nach offiziellen Audi-Angaben leistet der Q6 SUV e-tron performance 225 kW, nutzt eine Netto-Batterie mit 94,9 kWh und bietet 556 bis 661 km WLTP-Reichweite. Der Q6 SUV e-tron quattro kommt auf 315 kW, nutzt dieselbe Netto-Batterie mit 94,9 kWh und bietet 542 bis 642 km.
Audis Vorteil ist die größere Batterie und die ausgereifte Ladearchitektur der PPE-Plattform. Mercedes kontert mit einer kleineren, aber weiterhin schnell ladenden Batterie und dem komfortorientierten Innenraum-Image, das mit dem GLC verbunden ist. Wenn der Audi eher technisch orientierte Käufer anspricht, zielt der GLC mit einem weicheren, traditionelleren Premium-Erlebnis auf denselben Kunden.
Der elektrische GLC mischt jetzt im europäischen Wettbewerb richtig mit
Die günstigeren Versionen verändern, wofür der elektrische GLC steht. Der GLC 400 4MATIC war das technologische Flaggschiff. Der GLC 250 und der GLC 300 4MATIC machen aus dem Modell einen echten Verkaufskandidaten, der sich direkt mit BMW iX3, Audi Q6 e-tron und anderen europäischen Premium-Elektro-SUV vergleichen lässt.
Mercedes-Benz geht damit einen sinnvollen Schritt. Der Hersteller spart nicht an Plattform, Ladesystem oder dem grundlegenden Fahrzeugkonzept. Stattdessen bietet er dasselbe elektrische SUV in der Basis mit kleinerer Batterie und niedrigerem Leistungsniveau an. Das ist kein Wettlauf nach unten, sondern eine Normalisierung der Modellpalette.
Für europäische Käufer sind das gute Nachrichten. Die Entscheidung für ein Elektroauto muss nicht bedeuten, automatisch zur teuersten und stärksten Version mit der größten Batterie zu greifen. Die überzeugendere Kombination könnte eine 85-kWh-Batterie, 320 kW Ladeleistung, mehr als 600 km WLTP-Reichweite und ein Preis sein, der den GLC direkt neben BMW und Audi positioniert.