Maserati im freien Fall: Porsche enteilt
Ein Blick auf die weltweiten Verkaufszahlen 2025 spricht Bände. Porsche lieferte im vergangenen Jahr über 320.000 Fahrzeuge aus, das entspricht im Schnitt rund 870 Autos pro Tag. Maserati hingegen schaffte es nicht einmal, die Marke von 10.000 Einheiten im gesamten Jahr zu knacken. Anders gesagt: Was Porsche in elf Tagen verkauft, braucht Maserati für zwölf Monate.
Die Kluft zwischen den beiden Marken ist nicht nur eine Frage der Stückzahlen. Es geht um Dynamik, Gewinnspannen und letztlich um Bedeutung.
Profit versus Druck
Porsche arbeitet weiterhin mit Renditen zwischen 15 und 18 Prozent – Werte, von denen die meisten Hersteller nur träumen können. Maserati hingegen rutschte in die operativen Verluste, was Mutterkonzern Stellantis dazu zwang, Werke zeitweise stillzulegen.
Die Hoffnungen auf neue Modelle wie den Maserati Grecale und den elektrischen GranTurismo Folgore erfüllten sich nicht. Währenddessen feiern der Porsche Macan und der unverwüstliche 911 weiterhin Rekordzahlen.
Das ist kein zyklisches Pech mehr, sondern fühlt sich strukturell an.
Eine Identität am Limit
Maserati-Chef Davide Grasso versucht, die Marke als Ultra-Luxus-Anbieter zu positionieren. Doch der Funke springt nicht über. Das Problem sitzt tiefer als jede Marketingfloskel – es ist technologisch und qualitativ.
Unter Stellantis teilt sich Maserati Komponenten mit Mainstream-Marken wie Alfa Romeo und sogar Volumenherstellern wie Jeep und Peugeot. Plattform-Sharing mag auf dem Papier Sinn ergeben, doch in einem Segment, in dem Wahrnehmung alles ist, verwässert es die Exklusivität.
Porsche hingegen schafft es trotz Konzernzugehörigkeit, seine technische Identität zu bewahren. Die Kunden erkennen das – und zahlen dafür.
Die elektrische Lücke wächst
Maseratis Folgore-Strategie startete zögerlich und kämpft mit Softwareproblemen. Im Vergleich dazu agieren der Porsche Taycan und der neue elektrische Macan auf einem Niveau, das Maserati bislang nicht erreicht.
Elektronik-Zuverlässigkeit bleibt ein wunder Punkt bei den Italienern. Porsche hingegen rangiert regelmäßig an der Spitze der Zuverlässigkeitsrankings. Im Premium- und Luxussegment ist Vertrauen die eigentliche Währung.
Auch die Restwerte erzählen eine klare Geschichte. Maserati-Modelle verlieren in den ersten drei Jahren oft dramatisch an Wert – ein Alptraum für Leasingfirmen und Privatkunden. Porsche hingegen hält seinen Wert mit beeindruckender Konstanz und festigt so die Premium-Positionierung weit über den Erstverkauf hinaus.
Maserati steht nun am Scheideweg. Die Marke muss sich schnell und überzeugend neu erfinden – oder sie droht, im Stellantis-Konzern zur reinen Zierde zu verkommen: bewundert für ihre Historie, aber praktisch bedeutungslos. Auf Tradition allein lässt sich heute kein Überleben mehr bauen.