Maserati feiert 100 Jahre Dreizack mit GT2-Stradale-Lackierung, technisch bleibt alles beim Alten
Maserati feiert diesmal nicht den 100. Geburtstag der Marke. Die Geschichte des Herstellers aus Modena reicht bis 1914 zurück. Im Mittelpunkt steht das hundertjährige Jubiläum des Dreizack-Logos, das 1926 erstmals auf dem Rennwagen Tipo 26 erschien. Zum Anlass brachte Maserati zum Saisonauftakt der GT2 European Series in Monza neue, vom 250F inspirierte Farbgebungen für den GT2-Rennwagen und den straßenzugelassenen GT2 Stradale mit.
Eher Sonderlackierung als Sondermodell
Maserati spricht offiziell von einer Jubiläumsfarbgebung, die vom 250F inspiriert ist und sowohl für den Maserati GT2 als Rennwagen als auch für den Supersportwagen GT2 Stradale angeboten wird. Ein technisches Update, mehr Leistung oder eine neue Fahrwerksabstimmung hat das Unternehmen nicht angekündigt. Premiere hatte die Lackierung am 30. und 31. Mai 2026 in Monza, als die GT2 European Series powered by Pirelli in die Saison startete.
Ganz auf ein bloßes Aufkleberpaket lässt sich die Geschichte dahinter aber nicht reduzieren. Maserati verknüpft das neue Design mit dem Formel-1-Wagen 250F aus den 1950er Jahren, mit dem Juan Manuel Fangio 1957 den Weltmeistertitel gewann. Genau das verleiht der neuen rot-gelben Gestaltung ihr historisches Gewicht.
Der Maserati-Dreizack stammt aus dem Rennsport
Sein offizielles Debüt feierte das Dreizack-Logo von Maserati 1926 auf dem Tipo 26. Dieses Auto trat bei der Targa Florio an, wo Alfieri Maserati die Klasse bis 1500 Kubikzentimeter gewann. Entworfen wurde das Logo von Mario Maserati, dem künstlerisch begabten Bruder der Familie. Als Vorbild diente ihm der Neptunbrunnen in Bologna, nur wenige hundert Meter von Maseratis erster Werkstatt entfernt.
Im folgenden Jahrhundert tauchte der Dreizack auf Rennwagen und Straßenautos auf: bei Siegen bei der Targa Florio, Triumphen beim Indianapolis 500, Formel-1-Einsätzen, Fangios Weltmeistertitel und später in der MC12-Ära mit Erfolgen in der FIA GT. Das ist für Maserati wichtig, weil die moderne Marke ihre sportliche Identität neu unter Beweis stellen muss und nicht nur alte Geschichten erzählen kann.
Der GT2 Stradale ist der kompromisslosere Bruder des MC20
Der GT2 Stradale basiert auf dem MC20, bringt aber mehr von der Logik des GT2-Rennwagens auf die Straße. Maserati stellte das Modell bei der Monterey Car Week vor und bezeichnete es als Bindeglied zwischen dem GT2-Rennwagen und dem MC20. Die Leistung stieg gegenüber dem MC20 um 10 bhp auf 640 bhp, also rund 471 kW, das Gewicht sank um 60 kg, und der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 2,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 320 km/h.
Unter der Haube arbeitet weiterhin der 3,0-Liter-Biturbo-V6 Nettuno. Unabhängige technische Zusammenfassungen nennen ein Drehmoment von 720 Nm. Damit bewegt sich der GT2 Stradale in einer Klasse, in der Leistung nicht mehr das einzige Argument ist. Aerodynamik, Bremsen, Reifen, Kühlung und die Frage, wie weit Maserati Renntechnik für den Straßeneinsatz zähmen kann, werden genauso wichtig.
Neben seinen Rivalen wirkt der Maserati wie eine klassische Wahl
Der GT2 Stradale besetzt eine interessante Nische. Er ist kein Hybrid-Leistungsstatement wie der Ferrari 296 Speciale oder der Lamborghini Temerario, sondern ein heckgetriebener Supersportwagen mit Verbrennungsmotor, der für die Rennstrecke geschärft wurde. Der Ferrari 296 Speciale rückt als Plug-in-Hybrid in die Klasse mit 880 bhp, also rund 647 kW, vor, während der Lamborghini Temerario 920 bhp oder 677 kW, 343 km/h Höchstgeschwindigkeit und einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,7 Sekunden bietet.
Dem Maserati steht der Porsche 911 GT3 RS vom Konzept her näher. Porsche setzt nicht auf Hybridleistung, sondern auf Aerodynamik und dauerhaftes Tempo auf der Rennstrecke: Der 911 GT3 RS erzeugt bei 285 km/h bis zu 860 kg Abtrieb und nutzt aktive Aerodynamik sowie DRS. Der Maserati GT2 Stradale kontert mit mehr Leistung und einem exotischeren Mittelmotor-Layout, doch der Porsche bleibt ein brutaler Maßstab für die Entwicklung kompromissloser Tracktools.
Vor allem ist das ein Markenprojekt
Die 250F-Farbgebung wird Maseratis Verkaufszahlen nicht verändern. Der GT2 Stradale ist teuer, spezialisiert und im Alltag nur eingeschränkt praktikabel. Seine Bedeutung liegt woanders. Maserati braucht Autos, die den emotionalen Kern der Marke lebendig halten, während Grecale, GranTurismo und die Elektrifizierung die schwierigere Aufgabe übernehmen, Stückzahlen zu bringen.
In diesem Sinn ist der GT2 Stradale das richtige Werkzeug. Er versucht nicht, der schnellste Hybrid oder das modernste elektrische Halo-Car zu sein. Stattdessen erinnert er daran, dass Maseratis beste Geschichten auf der Rennstrecke entstanden sind. Ferrari und Porsche vermarkten ihr Erbe fast mühelos und konsequent. Maserati muss die eigene Vergangenheit erst wieder sichtbar machen. Die Jubiläumslackierung zum Dreizack-Jubiläum tut genau das, auch wenn sie technisch kaum etwas verändert.
Technische Zusammenfassung
Maserati feiert das 100-jährige Jubiläum des Dreizack-Logos, nicht den 100. Geburtstag der Marke selbst.
Die vom 250F inspirierte Jubiläumslackierung debütierte beim Auftakt der GT2 European Series 2026 in Monza.
Die Farbgebung ist für den Maserati GT2 als Rennwagen und für den GT2 Stradale als Straßenauto vorgesehen.
Im GT2 Stradale arbeitet ein 3,0-Liter-Biturbo-V6 Nettuno mit 640 bhp, also rund 471 kW.
Der Wagen beschleunigt in 2,8 Sekunden auf 100 km/h, fährt mehr als 320 km/h und ist 60 kg leichter als der MC20.