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Lexus UX 300e
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Lexus UX 300e: Das leise Aus für das erste E-Auto

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 03.03.2026

Lexus hat still und heimlich sein erstes vollelektrisches Modell, den UX 300e, eingestellt. 2019 eingeführt, sollte er die japanische Premiummarke selbstbewusst ins Elektrozeitalter führen. Stattdessen verabschiedet er sich als mahnendes Beispiel dafür, dass Timing und Technik mindestens so entscheidend sind wie der Wille.

Der UX 300e fand nie wirklich seinen Takt. Die Verkaufszahlen blieben überschaubar, und vor allem konnte das Fahrzeug mit den rasanten Fortschritten bei Batterietechnik und Ladeinfrastruktur nicht Schritt halten. Nun räumt Lexus das Feld für eine neue Generation von reinen Elektroplattformen.

Ein Kompromiss von Anfang an

Das Grundproblem lag in seiner Entstehung. Der UX 300e wurde nicht als reines Elektroauto entwickelt, sondern aus dem konventionellen UX mit Verbrennungsmotor abgeleitet. Diese Entscheidung brachte zwangsläufig physische und praktische Einschränkungen mit sich.

Die begrenzten Möglichkeiten beim Packaging schränkten sowohl die Batteriegröße als auch den Innenraum ein. Die Effizienz litt darunter. Was 2019 wie eine pragmatische Abkürzung wirkte, wurde schnell zum Nachteil, als Wettbewerber mit eigens entwickelten E-Architekturen auf den Markt kamen, die mehr Reichweite, schnelleres Laden und flexiblere Raumkonzepte boten.

Auch die Ladeschnittstelle verschärfte das Problem. Während sich Europa und die USA auf den CCS2-Standard einigten, setzte der frühe UX 300e weiterhin auf CHAdeMO für das DC-Schnellladen. Eine passende Ladesäule im öffentlichen Netz zu finden, konnte zur Schnitzeljagd werden.

Die ursprüngliche 54,3-kWh-Batterie ermöglichte im WLTP-Zyklus eine praxisnahe Reichweite von etwa 250 bis 300 Kilometern. Für den Stadtverkehr reichte das, für längere Strecken fehlte das Vertrauen. 2023 rüstete Lexus auf eine 72,8-kWh-Batterie um, was die Reichweite auf dem Papier verbesserte. Doch da hatten Modelle wie Tesla Model 3 und Hyundai Ioniq 5 die Messlatte für Effizienz und Ladegeschwindigkeit längst höher gelegt.

Selbst nach dem Update blieb das DC-Schnellladen limitiert. Auf längeren Fahrten zogen sich die Ladepausen oft länger hin als erwartet. In einem Markt, der sich rasant weiterentwickelt, genügte das, um den UX 300e ins Abseits zu stellen.

Fokus auf die RZ-Generation

Das Aus für den UX 300e bedeutet keinen Rückzug von der Elektromobilität. Im Gegenteil: Lexus konzentriert sich nun auf die RZ-Baureihe, die auf der eigens für Elektroautos entwickelten e-TNGA-Plattform basiert.

2026 und 2027 folgen leistungsstärkere Varianten RZ 500e und 550e mit neuer 77-kWh-Batterie und verbesserter Effizienz. Zudem bereitet die Marke eine vollelektrische Limousine für 2027 vor, die als geistiger Nachfolger des IS gilt. Dank Gigacast-Fertigung soll sie laut ersten Prognosen bis zu 1000 Kilometer Reichweite bieten.

Innerhalb der UX-Familie steht nun der UX 300h Hybrid im Rampenlicht. Er ist deutlich beliebter, was vor allem an seiner Zuverlässigkeit und unkomplizierten Alltagstauglichkeit liegt – Eigenschaften, die den Markenkern von Lexus ausmachen.

Lexus gewährt weiterhin zehn Jahre Batteriegarantie auf seine E-Modelle, sodass bestehende UX 300e-Besitzer nicht im Regen stehen. Dennoch dürfte der Wertverlust bei gebrauchten UX 300e schneller einsetzen als bei den Hybridvarianten.

Jeder Hersteller braucht einen ersten Versuch. Manche altern würdevoll, andere ebnen nur den Weg für Besseres. Der UX 300e gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.