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Lettland will Spritpreise ab April bremsen, mit befristeter Steuersenkung und Übergewinnsteuer soll die Zapfsäule unter 1,80 Euro bleiben

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 18.03.2026

Riga setzt auf zwei Hebel zugleich. Einerseits will die Regierung die Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel für einen begrenzten Zeitraum senken. Andererseits plant sie, mögliche Zusatzmargen der Händler infolge eines geopolitischen Schocks über eine Sondersteuer auf Übergewinne abzuschöpfen. In einer Kabinettsdiskussion am 17. März 2026 formulierten die Minister ein klares Ziel: Die Preise an der Zapfsäule sollen unter 1,80 Euro pro Liter bleiben, die Maßnahmen sollen bis April stehen.

Der Zeitpunkt ist nachvollziehbar. Die Ölmärkte reagierten im März deutlich, als der Krieg im Nahen Osten eskalierte. Brent schloss am 12. März bei 100,46 US-Dollar je Barrel und am 17. März bei 103,42 US-Dollar. Gleichzeitig hielten Störungen in der Straße von Hormus die Sorge am Leben, dass der Angebotsdruck nicht schnell nachlassen würde. Für eine kleine, offene Volkswirtschaft ist das genau die Art externer Schock, die Regierungen zu schneller Steuerpolitik drängt.

Politisch ist die Lage in Lettland aus einem weiteren Grund heikel. Der Staat hatte die Verbrauchsteuersätze auf Kraftstoffe selbst zum 1. Januar 2026 angehoben. Nach Angaben des Finanzministeriums stieg die Abgabe auf Benzin von 532 auf 555 Euro je 1.000 Liter und auf Diesel von 440,5 auf 467 Euro. Das entsprach vor dem Rest der Preiskette rund 2,3 Cent beziehungsweise 2,65 Cent pro Liter. Die Jahresinflation verlangsamte sich im Februar auf 2,3 Prozent, dieser Wert lag jedoch noch vor dem vollen Durchschlag des Kraftstoffschocks im März auf die Verbraucherpreise. Nun versucht die Regierung, einen Teil ihres eigenen früheren Steuerimpulses zurückzunehmen, bevor Transportkosten eine neue Inflationswelle auslösen.

Diesel, nicht Benzin, ist das eigentliche politische Schlachtfeld

Die Marke von 1,80 Euro ist in der Praxis eher eine Verteidigungslinie für Diesel als für Benzin. Aus dem wöchentlichen Bulletin der Europäischen Kommission zusammengestellte Zahlen zeigen: Am 9. März lag der Durchschnittspreis für Super 95 in Lettland bei 1,633 Euro pro Liter, Diesel kostete 1,793 Euro. Eine Preisbeobachtung vom 16. März setzte Benzin bei rund 1,68 Euro an, Diesel bei etwa 1,93 Euro. Mit anderen Worten: Die Regierung kämpft nicht wirklich gegen den Preis für normales Benzin. Sie will verhindern, dass Diesel davonläuft, bevor der Anstieg in Logistik, Dienstleistungen und schließlich in die Endpreise von Waren durchschlägt.

Ökonomisch ist eine Senkung der Verbrauchsteuer ein schnelles, aber grobes Instrument. Sie bleibt dennoch einfacher und günstiger als eine direkte Preisdeckelung, zudem lässt sich ein Teil der Haushaltslücke über die Mehrwertsteuer wieder einfangen. Genau deshalb will Riga die Steuersenkung mit einer separaten Übergewinnsteuer-Formel kombinieren. Die Regierung vermutet offenbar, dass nicht der gesamte globale Preisdruck an der Zapfsäule ehrlich oder symmetrisch bei den Verbrauchern ankam.

Hier liegt auch das zentrale Umsetzungsrisiko. Wenn die Formel nicht klar genug zwischen Einkaufspreisen für Lagerbestände, Verzögerungen im Großhandel und der tatsächlichen Marge des Händlers unterscheidet, könnte die Maßnahme kleinere Marktteilnehmer stärker treffen als große Ketten. Gleichzeitig sieht Lettland laut dem Minister kein physisches Versorgungsproblem. Der Streit dreht sich vorerst um Preise, nicht um Verfügbarkeit.

Eine vertraute europäische Antwort auf einen importierten Schock

Lettland handelt nicht isoliert. Österreich erklärte am 18. März, auch dort werde es eine befristete Senkung der Kraftstoffsteuer und Begrenzungen der Einzelhandelsmargen geben. Reuters sammelte zudem Beispiele aus einer Reihe von Ländern, die den Sprung bei den Energiekosten über Steuern, Subventionen oder Markteingriffe abfedern wollen. Rigas Ansatz passt damit in ein breiteres europäisches Muster des Krisenmanagements. Regierungen kaufen Zeit und versuchen, einen globalen Schock im Inland wieder in einen politisch erträglichen Bereich zu drücken.

Die Stärke des lettischen Plans liegt in seiner Geschwindigkeit. Seine Schwäche ist unbequemer und offensichtlicher. Keine Steuermaßnahme, so ausgeklügelt sie auch sein mag, kann viel am Ölpreis auf den Weltmärkten ändern.