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Lamborghini Lanzador
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Lamborghini verschiebt Elektroauto auf die Zeit nach 2030 und baut 2026 das Hybridprogramm aus

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 24.03.2026

Lamborghini entwickelt die Elektrotechnik weiter, blickt aber nüchtern auf den Markt. Der Hersteller aus Sant’Agata Bolognese hat den Plan für einen vollelektrischen Sportwagen bis 2030 aufgegeben, den Zeitplan für sein erstes E Modell weiter nach hinten verschoben und bereitet nun mehrere neue Hybridmodelle für 2026 vor. Die Entscheidung spiegelt die Nachfrage im Luxusautomarkt und den Anspruch der Marke wider, ihren emotionalen Charakter zu bewahren.

Die Botschaft aus Sant’Agata Bolognese ist strategisch eindeutig. Lamborghini verabschiedet sich nicht grundsätzlich vom Elektroauto, will aber auch keines in den Markt drücken, bevor die Kundschaft bereit ist, dafür mit derselben Begeisterung zu zahlen, die sie weiterhin einem V10, einem V12 oder inzwischen auch einem Plug in Hybridantrieb entgegenbringt. Vorstandschef Stephan Winkelmann sagte Reuters in diesem Monat, der Widerstand gegen vollelektrische Autos sei in Lamborghinis Zielgruppe gewachsen. Viele Kunden hätten zudem festgestellt, dass ihre Erfahrungen mit Elektroautos hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Deshalb investiert Lamborghini in Elektrotechnik, um vorbereitet zu sein, nicht um einen Marktstart zu überstürzen.

Die Kursänderung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Winkelmann noch im Dezember 2024 betont hatte, 2029 sei für Lamborghinis erstes Elektroauto nicht zu spät. Im März 2026 klang das deutlich vorsichtiger. Das erste E Modell wurde auf einen Zeitraum nach 2030 verschoben, während der ursprünglich als Elektroauto konzipierte Lanzador nun als Plug in Hybrid 2+2 Gran Turismo kommen soll. Lamborghini verschiebt also nicht nur ein einzelnes Modell, sondern justiert das Tempo seiner Elektrifizierungsstrategie insgesamt nach wirtschaftlichen Maßstäben neu.

Die Finanzzahlen stützen diese Entscheidung. Lamborghini steigerte den Umsatz 2025 auf 3,2 Milliarden Euro und lieferte mit 10.747 Fahrzeugen so viele Autos aus wie nie zuvor. Gleichzeitig sank das operative Ergebnis von 835 Millionen auf 768 Millionen Euro, die Marge fiel von 27 auf 24 Prozent. Reuters berichtete, das Ergebnis sei durch US Zölle, Währungsschwankungen und die Kosten für die Überarbeitung des Elektroauto Plans belastet worden. Damit zeigte 2025, dass eine Hybridpalette bei Absatz und Umsatz weiter wachsen kann, ein Strategiewechsel beim Elektroauto kurzfristig aber teuer ist.

Auf der Produktseite nimmt Lamborghini den Fuß nicht vom Gas, sondern verteilt die Ressourcen neu. Das Unternehmen hat offiziell angekündigt, dass 2026 eine Reihe von Neuheiten bringt, von denen einige beim Goodwood Festival of Speed und bei der Monterey Car Week zu sehen sein sollen. Modelle nannte die Marke nicht. Auf Basis der eigenen Aussagen und breiterer Medienberichte liegt jedoch die Erwartung nahe, dass neue Derivate bestehender Baureihen folgen. Das 2025 vorgestellte, vollständig hybridisierte Trio aus Revuelto, Urus SE und Temerario bildet nun den Kern der Strategie. Die ersten Temerario wurden Anfang 2026 an Kunden ausgeliefert.

Genau hier liegt die wichtigste industrielle Schlussfolgerung. Lamborghini stellt das langfristige Ziel der Elektrifizierung nicht infrage. Die Marke hinterfragt vielmehr, welche Form ein Luxus Sportwagen auf dem Weg dorthin annehmen sollte. Im Massenmarkt wird ein Elektroauto nach Betriebskosten, Software und Ladeinfrastruktur beurteilt. Ein Lamborghini Kunde zahlt dagegen weiterhin für Klang, Dramatik, mechanischen Charakter und ein besonderes Erlebnis, das einen Preis im sechs oder siebenstelligen Bereich rechtfertigen muss. Wenn eine vollelektrische Architektur diese Werte noch nicht überzeugend liefern kann, setzt das Unternehmen vorerst auf Hybride. Das ist kein konservativer Rückzug, sondern der Schutz von Preissetzungsmacht und Markenbild.

Vor dem Hintergrund des Wettbewerbs wird der Schritt noch interessanter. Reuters zufolge hält Ferrari an seinem ersten Elektroauto fest und will es 2026 vorstellen. Damit testen die beiden italienischen Supersportwagenhersteller zwei unterschiedliche Ansätze. Ferrari versucht früher eine neue Nische zu besetzen. Lamborghini wartet, bis Technik und Käuferhaltung reifer sind. Die nächsten vier oder fünf Jahre dürften zeigen, welche Strategie die stärkere Marge und die größere Preisdurchsetzung bringt.

Für Investoren und Branchenbeobachter sendet Lamborghini damit ein einfaches Signal. Die Marke treibt das Elektroauto nicht um der regulatorischen Mode willen voran. Sie will ein solches Modell erst dann auf den Markt bringen, wenn es sowohl die Nachfrage als auch die Profitabilität steigern kann. Bis dahin setzt Lamborghini auf Plug in Hybride, limitierte Serien und eine immer lukrativere Personalisierung. Die für 2026 angekündigten neuen Modelle müssen nun zeigen, dass ein Hybrid Lamborghini das Rekordniveau bei den Verkäufen auch ohne ein bald kommendes vollelektrisches Flaggschiff halten kann.