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Jaguar Type 00
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Jaguars Designchef legt den Stift weg: Sinkt das Schiff oder geht der Rottweiler einfach?

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 22.03.2026

Gerry McGovern gründet eine Beratung. Höflich formuliert heißt das: Der Mann, der den Range Rover vom Arbeitsgerät zum Luxusstatement machte, zieht sich zurück, just als Jaguar seine vollelektrische Neuerfindung vorbereitet.

Jaguar Land Rover hat bestätigt, dass sein kreativer Taktgeber Ende März das Unternehmen verlässt. Noch im Dezember hatten Unternehmenssprecher Berichte über McGoverns Abschied als böswilligen Klatsch zurückgewiesen. Tatsächlich war es kein Klatsch, sondern schlicht die Wahrheit, die nur noch etwas Feinschliff brauchte, ähnlich wie das Fahrwerk des jüngsten Defender.

McGovern war nie nur Designer. Er überzeugte die Welt davon, dass es vollkommen sinnvoll sei, einen sechsstelligen Betrag für ein Auto zu zahlen, das nie den Asphalt verlässt. Nach seinem Einstieg im Jahr 2004 prägte er unter anderem den Range Rover Evoque, ein derart erfolgreiches Modell, dass selbst Käufer mit nur vager Vorstellung vom Antriebskonzept einen haben wollten.

Unter seiner Regie entstanden auch der neu aufgelegte Defender, der Velar und die großen Range Rover, die heute Einfahrten von West-London bis in wohlhabendere Ecken von Tallinn füllen. Er machte das Design zum einzigen durchgehend verlässlichen Verkaufsargument von JLR. Wenn die Technik schwächelte, sahen die Autos im Showroom immer noch nach einer Million Dollar aus.

McGoverns letzter Akt war Jaguars neue Identität samt der Studie Type 00. Das war die pinkfarbene, scharf gezeichnete Maschine, die als künftiger Heilsbringer der Marke präsentiert wurde. Kritiker sahen darin eher ein teures Kunstprojekt, einen Versuch, die unbequeme Realität zu kaschieren, dass Jaguar seine elektrische Zielgruppe noch immer nicht klar definiert hat.

McGovern versuchte, die Idee elektrischer Haute Couture zu verkaufen. Nun verlässt er die Bühne genau in dem Moment, in dem der Applaus einsetzen soll.

Jaguars erster neuer elektrischer GT mit einem Preis von mehr als 100.000 Pfund, umgerechnet etwa 117.000 Euro, steht bereits bereit. Versprochen werden Reichweiten, die fast schon außerirdisch klingen. Genau jetzt entscheidet McGovern, dass der richtige Zeitpunkt für den Start einer Beratung gekommen ist. Das wirkt wie ein Filmregisseur, der das Set verlässt, just als der Hauptdarsteller den ersten Satz sprechen will.

Die Zahlen tragen kaum zur Beruhigung bei. Der jüngste Quartalsbericht liest sich wie das Drehbuch zu einem Horrorfilm. Der Umsatz sank, die Verkäufe gingen zurück, und die Marge fiel auf minus 6,8 Prozent. JLR verweist auf Cyberangriffe und Marktturbulenzen, doch McGovern ist zu erfahren, um die Stimmung nicht zu erkennen. Besser unter dem Triumphbogen abtreten, solange der Champagner noch fließt, als zu bleiben, bis jemand die Scherben zusammenkehrt.

Ob der neue Jaguar ohne seinen Chefarchitekten aus der Asche aufsteigt, ist möglich. Im Moment wirkt es jedoch so, als habe McGovern als Einziger bemerkt, dass das Licht ausgegangen ist, und sich zum Gehen entschieden, bevor jemand ein Streichholz zückt.