Hispano Suiza Carmen Sagrera
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Hispano Suiza bändigt den 820 kW starken Carmen Sagrera mit mehr als 100 Sensoren

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 05.08.2026

Hispano Suiza erläutert, wie das Fahrdynamikregelsystem HSDD des Carmen Sagrera arbeitet. Die Software koordiniert Traktion, Stabilität, Rekuperation und Drehmomentverteilung, um das heckgetriebene Elektro-Hypercar mit 820 kW unter Kontrolle zu halten, ohne den Fahrer unnötig einzuschränken.

Der Hispano Suiza Carmen Sagrera ist ein vollelektrisches Luxus-Hypercar und das dritte Modell der Carmen-Baureihe der spanischen Marke. Sein viermotoriger Heckantrieb leistet 820 kW und 1.160 Nm und beschleunigt das Auto in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ein Monocoque aus Kohlefaser wird mit einer hoch entwickelten Fahrdynamikelektronik kombiniert.

HSDD integriert die Fahrdynamiksysteme des Autos

Hispano Suiza Driver Dynamics, kurz HSDD, ist kein einzelnes Fahrerassistenzsystem, sondern ein proprietäres Softwarepaket, das mehrere Aspekte des Fahrverhaltens koordiniert. Es steuert Traktions- und Stabilitätsregelung, Drehmoment- und Leistungsverteilung, Rekuperation, Fahrmodi sowie das Thermomanagement von Batterie und Elektromotoren.

HSDD umfasst das Grip Enhancement System zur Traktionsregelung und Active Yaw Modulation zur Stabilitätsregelung. Der Electronic Torque Stabiliser kann unabhängig voneinander ein negatives Drehmoment an den Hinterrädern aufbringen. Dadurch trägt er zur Stabilisierung des Autos bei, gewinnt zugleich einen Teil seiner kinetischen Energie zurück und speist diese wieder in die Batterie ein.

Der Carmen Sagrera nutzt vier permanenterregte Axialflussmotoren mit jeweils 205 kW. Je zwei Motoren sind für jedes Hinterrad in Reihe geschaltet. Diese Anordnung ermöglicht es der Elektronik, das Drehmoment zwischen den Seiten zu variieren und so praktisch ein virtuelles Sperrdifferenzial zu erzeugen, ohne die üblichen Einschränkungen eines mechanischen Systems.

Mehr als 100 Sensoren überwachen das Auto

HSDD bezieht Daten von mehr als 100 Sensoren, die im gesamten Auto verteilt sind. Die Software überwacht Lenkwinkel und Lenkgeschwindigkeit, Fahrpedalstellung, Raddrehzahlen, Bremsdruck, Federweg der Dämpfer, Gierrate des Fahrzeugs sowie die Beschleunigung auf allen drei Achsen. Zudem berücksichtigt sie Ladezustand, Stromstärke und Spannung der Batterie, den gewählten Fahrmodus, Umgebungstemperatur und Luftdruck sowie die Höhe über dem Meeresspiegel.

Analoge und digitale Signale sowie über das CAN-Netzwerk übermittelte Daten ermöglichen HSDD, Leistungsabgabe, Traktionsregelung, Stabilitätsmanagement und Rekuperation in Echtzeit anzupassen. Laut Hispano Suiza kann das System mehr als 200 Millionen Befehle pro Sekunde verarbeiten. Diese Zahl veranschaulicht den Umfang der Rechenaufgabe, bietet ohne weitere Angaben zu Hardware, Latenz und Algorithmen jedoch keine aussagekräftige Grundlage für einen direkten Vergleich mit Konkurrenzsystemen.

Der frühere Formel-1-Fahrer Luis Pérez-Sala leitete das Abstimmungsprogramm, das Simulationen und umfangreiche Tests auf Rennstrecken und öffentlichen Straßen umfasste. Die Ingenieure stimmten die Elektronik auf schrittweise Eingriffe ab und ließen dem Fahrer einen großen Handlungsspielraum, bevor die Stabilitätssysteme entschiedener eingreifen. Ob HSDD im Grenzbereich tatsächlich unaufdringlich bleibt, muss sich letztlich bei unabhängigen Straßen- und Rennstreckentests zeigen.

Größere Batterie erhöht das Gewicht

Der Carmen Sagrera leistet 820 kW und entwickelt laut den jüngsten veröffentlichten Angaben von Hispano Suiza 1.160 Nm. Er beschleunigt in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, wobei der Hersteller darauf hinweist, dass das genaue Ergebnis von der Achsübersetzung abhängt. Alle vier Motoren treiben die Hinterräder an.

Die Spitzenleistung bleibt gegenüber dem früheren Carmen Boulogne unverändert, die Batteriekapazität ist jedoch von 80 kWh auf 103 kWh gestiegen. Hispano Suiza nennt eine WLTP-Reichweite von bis zu 480 km, etwa 100 km mehr als mit der bisherigen Batterie. Das Leergewicht wird abhängig von der endgültigen Spezifikation mit 1.875 kg angegeben.

Die größere Batterie verbessert die Alltagstauglichkeit, doch die zusätzliche Masse stellt höhere Anforderungen an Bremsen, Reifen und Traktionsregelung. HSDD ist beim Carmen Sagrera daher mehr als ein Marketingmerkmal. Das System muss das spontan anliegende Drehmoment der vier Motoren in beherrschbare Fahrleistungen umsetzen und gewährleisten, dass dieses heckgetriebene Hypercar mit 820 kW mehr kann, als lediglich auf gerader Strecke schnell zu sein.

Auf dem europäischen Markt für Elektro-Hypercars reicht die reine Leistung allein nicht aus, um den Carmen Sagrera von der Konkurrenz abzuheben. Seine technische Qualität wird davon abhängen, wie harmonisch HSDD Heckantrieb, beträchtliche Masse und die Drehmomentverteilung zwischen vier Motoren miteinander in Einklang bringt. Hispano Suiza verspricht eine Elektronik, die für den Fahrer nahezu unsichtbar bleibt. Entscheidend wird jedoch sein, wie wenig ihre Eingriffe hinter dem Lenkrad zu spüren sind.