Hennessey testet manuellen Venom F5, 2.031-PS-Projekt setzt auf pures Fahrerlebnis
Hennessey hat ein Video veröffentlicht, das den Einzelbau Venom F5 Revolution LF bei Testfahrten zeigt, und der Zeitpunkt wirkt bewusst gewählt. In einer Hypercar-Welt, die immer stärker von Software, Doppelkupplungsgetrieben und elektrischem Drehmomentmanagement geprägt ist, baut Hennessey gezielt ein Auto, das den Fahrer wieder ins Zentrum rückt.
Das jüngste Video zeigt den Venom F5 Revolution LF mit einem manuellen Sechsganggetriebe und einem 6,6-Liter-V8-Biturbo mit 2.031 PS. Es handelt sich um das erste Kundenprojekt der Unternehmenssparte Maverick und bislang um das einzige Fahrzeug in dieser Konfiguration.
Hennessey hat nicht einfach einen bestehenden F5 neu abgestimmt. Für den LF entwickelte das Unternehmen eine neue Monocoque-Struktur aus Kohlefaser, ein neues Cockpit-Layout und ein vollständig neues manuelles Sechsganggetriebe.
Im April 2025 schloss Hennessey die Entwicklung des Venom F5 Evolution ab. Damit stieg die Leistung der Baureihe auf 2.031 PS, die Aerodynamik wurde geschärft und die Abstimmung der Federung stärker an die Fahrmodi gekoppelt. Der LF greift diesen technischen Anspruch auf, richtet ihn aber nicht auf Rundenzeiten, sondern auf das Fahrerlebnis. Anders gesagt: Der Evolution brachte die Plattform an den Rand ihres Leistungsvermögens, der LF übersetzt dieses Potenzial in ein Auto, das mechanischer, direkter und deutlich weniger gefiltert wirkt.
Ein Hypercar rund um den Fahrer
Hennessey versucht nicht, bei den Stückzahlen mit Ferrari, McLaren oder Rimac gleichzuziehen. Die Strategie setzt auf Exklusivität, Erzählkraft und technischen Mut. Die Gründung der Maverick-Division deutet darauf hin, dass das Unternehmen ein hochprofitables Geschäft mit maßgeschneiderten Einzelanfertigungen ausbauen will, bei dem der Kundenauftrag das Auto fast ebenso stark prägt wie die eigene Ingenieursphilosophie. In diesem Sinn funktioniert der LF sowohl als Technikprojekt als auch als rollende Visitenkarte für Hennesseys Fähigkeit, ein Auto zu bauen, das sich zumindest auf dem Papier leicht absurd anhört.
Das Risiko, und der Punkt
Dieser Ansatz birgt ein offensichtliches Risiko. Mit 2.031 PS, Hinterradantrieb und manuellem Getriebe kombiniert der Venom F5 Revolution LF maximale Fahrerbeteiligung mit einer Konfiguration, die sein Publikum zwangsläufig verkleinert. Dieses Auto will nicht universell, zugänglich oder auch nur besonders benutzerfreundlich sein. Es will fordern, beinahe bis ins Extreme.
Genau darin liegt Hennesseys Stärke. Statt das Produkt für einen breiteren Markt zu entschärfen, schärft das Unternehmen bewusst seine Kanten, um Kultstatus zu erreichen. Auf Basis der veröffentlichten technischen Daten und von Hennesseys übergreifender Modellstrategie wirkt das weniger wie Selbstzweck als wie klare Absicht. In einem Segment, das sich zunehmend auf leicht verfügbare Geschwindigkeit fixiert, scheint Hennessey stärker an einer Form von Tempo interessiert zu sein, die dem Fahrer noch etwas abverlangt.