Hennessey macht den GMC Sierra AT4 mit 522 kW zum Rivalen des Raptor R
Der texanische Tuner Hennessey hat dem GMC Sierra 1500 AT4 einen Kompressor auf den 6,2-Liter-V8 gesetzt und die Leistung auf 700 bhp, also 522 kW, angehoben. Das Ergebnis heißt Goliath 700 Sierra, sprintet in 4,2 Sekunden von 0 auf 97 km/h und rückt den Luxus-Pick-up von General Motors in das Revier, in dem bislang vor allem der Ford F-150 Raptor R für Aufsehen sorgt.
GMC ließ eine Lücke, Hennessey füllt sie mit Nachdruck.
Nach Angaben von Hennessey basiert der Goliath 700 Sierra auf dem AT4 und erhält für seinen 6,2-Liter-Benzin-V8 einen Twin-Screw-Kompressor, einen Wasser-Luft-Ladeluftkühler sowie eine HPE-Motorsteuerungsabstimmung. Die Leistung steigt von 420 bhp auf 700 bhp, also von rund 313 kW auf 522 kW. Das Drehmoment wächst von 624 Nm auf 828 Nm.
Das ist kein sanfter Softwareeingriff. Hennessey erhöht die Leistung um 66 Prozent und verschiebt den Sierra AT4 in ein deutlich anderes Umfeld. Schon ein serienmäßiger Sierra mit 6,2-Liter-Motor ist ein kräftiger, komfortabler und schneller amerikanischer Full-Size-Pick-up. Der Goliath 700 macht aus derselben Plattform ein Fahrzeug, das auf Asphalt sportliche SUV unter Druck setzen kann und seine eigene Masse auf Schotter mit überraschender Wucht bewegt.
0 auf 97 km/h in 4,2 Sekunden ist für einen Pick-up ein ernstzunehmender Wert.
Hennessey nennt 4,2 Sekunden für 0 auf 60 mph, umgerechnet 0 auf 97 km/h. Bei einem Full-Size-Truck wäre ein solcher Wert vor nicht allzu langer Zeit schnellen Sportlimousinen vorbehalten gewesen. Der Goliath gibt sich nicht als Rundstreckenauto aus. Sein aufgeladener V8 liefert aber das unmittelbare Ansprechverhalten und den kräftigen Durchzug im mittleren Drehzahlbereich, den große Geländereifen normalerweise spürbar dämpfen.
Der Vergleich mit Ford zeigt genau, wo Hennessey diesen Truck positionieren will. Der Ford F-150 Raptor R des Modelljahrs 2026 nutzt einen 5,2-Liter-Kompressor-V8 mit 720 bhp und 868 Nm. Das entspricht etwa 537 kW. Der Goliath 700 bleibt damit bei der Leistung knapp darunter, beim Drehmoment ist der Abstand jedoch nicht groß.
Der Ram 1500 RHO geht einen anderen Weg. Sein 3,0-Liter-Reihensechszylinder Hurricane mit Biturboaufladung leistet 540 bhp und 706 Nm. Ram kann mit einem moderneren Antrieb und Werksgarantie argumentieren, Hennessey kontert mit klassischem V8-Charakter und deutlich mehr Leistung.
Beim Fahrwerk bleibt es nicht bei einer höheren Haltung.
Das Goliath-700-Paket endet nicht im Motorraum. Hennessey verbaut ein BDS-Fahrwerk, obere Querlenker, Multimatic-DSSV-Dämpfer, 508 mm große Offroad-Räder und 889 mm große Offroad-Reifen. Das ist entscheidend, denn ein Pick-up mit 522 kW ohne passende Fahrwerksarbeit wäre kaum mehr als eine Reifenqualm-Maschine für die Gerade.
Der AT4 ist dafür eine naheliegende Basis. GMC bietet den Sierra 1500 AT4 des Modelljahrs 2026 mit Allradantrieb, kurzer oder normaler Ladefläche und einer werksseitigen Höherlegung um 51 mm an. Die Bodenfreiheit beträgt 282 mm bei der Version mit kurzer Ladefläche und 279 mm beim Modell mit normaler Ladefläche.
Hennessey montiert außerdem Stahlstoßfänger vorn und hinten, Unterfahrschutz, einen 1016 mm langen LED-Lichtbalken und einen Satz 76 mm großer LED-Leuchten. Der Motorhaubeneinsatz aus Kohlefaser ist laut Hennessey ebenfalls nicht nur Show, denn die funktionale Entlüftung soll die Kühlung im Motorraum verbessern.
In Europa exotisch, aber nicht sinnlos.
Aus europäischer Sicht bewegt sich der Goliath 700 in einer sehr engen Nische. Der GMC Sierra 1500 ist hier kein offizielles Volumenmodell. Größe, Emissionen und Verbrauch machen ihn eher zum Liebhaberstück als zu einem rationalen Alltagsfahrzeug. Trotzdem zeigen Projekte wie dieses, warum der amerikanische Full-Size-Pick-up auf seinem Heimatmarkt so widerstandsfähig bleibt. Eine Plattform kann Arbeitstier, Luxusfahrzeug, Geländemaschine und absurd schnelles V8-Unterhaltungsgerät zugleich sein.
In Europa hat der Goliath keinen direkten Rivalen. Volkswagen Amarok und Ford Ranger Raptor spielen in einer kleineren, weniger leistungsstarken Klasse, während der Mercedes-AMG G 63 teurer ist und ein anderes Luxus-SUV-Image trägt. Der Hennessey Sierra ist rauer, lauter und weniger rational, aber auch ehrlicher. Er gibt nicht vor, ein sparsames Werkzeug für jede Gelegenheit zu sein.
Hennessey verkauft mehr als eine Leistungszahl.
Der Wert des Goliath 700 liegt im Gesamtpaket. Dazu gehören eine Edelstahl-Abgasanlage ab Katalysator, schwarze Endrohre, Hennessey- und Goliath-Embleme, elektrisch ausfahrbare Trittbretter, Allwetter-Fußmatten, bestickte Kopfstützen und nummerierte Plaketten im Innenraum. Jeder Truck durchläuft eine Abstimmung auf dem Prüfstand und Straßentests. Hennessey gewährt zudem eine eingeschränkte Garantie über drei Jahre oder 36.000 Meilen, also rund 57.900 km.
Das ist wichtig, denn der Käufer eines Pick-ups mit 522 kW will nicht nur einen großen Motor. Er will eine Geschichte, einen Klang, eine Haltung und eine gewisse Sicherheit, dass sich das Fahrzeug tatsächlich nutzen lässt. Genau diese Rolle übernimmt der Hennessey Goliath 700 Sierra. Er macht aus dem GMC Sierra AT4 das Modell, mit dem General Motors selbst dem Ford Raptor R bislang nicht ganz nachzusetzen gewagt hat.
Technische Übersicht
Basismodell: GMC Sierra 1500 AT4 mit 6,2-Liter-V8 und Allradantrieb.
Leistung: 700 bhp, also 522 kW, statt 420 bhp beziehungsweise 313 kW im Serienmodell.
Drehmoment: 828 Nm statt 624 Nm im Serienmodell.
Beschleunigung: 0 auf 97 km/h in 4,2 Sekunden.
Fahrwerk: BDS-Fahrwerk, Multimatic-DSSV-Dämpfer, 508 mm große Räder und 889 mm große Offroad-Reifen.