GM entwickelt kollektive Wahrnehmung für Fahrzeugkameras
Eine Patentanmeldung von General Motors und der University of Michigan beschreibt ein System, das Kamera-, Radar-, Lidar- und Positionsdaten mehrerer Autos zu einer gemeinsamen Straßenkarte zusammenführt. Ziel ist es, tote Winkel zu reduzieren und Fahrzeuge vor Gefahren zu warnen, die ihre eigenen Sensoren noch nicht erfassen.
Autos könnten künftig von den Sensoren anderer Fahrzeuge profitieren.
Die Patentanmeldung US 20260133049 A1 trägt den Titel „Collaborative Perception System for Creating a Bird’s Eye View Cooperative Perception Map“. Sie wurde am 14. Mai 2026 veröffentlicht. Als Anmelder sind das University of Michigan System und GM Global Technology Operations LLC aufgeführt.
Die Idee klingt einfach, die Umsetzung ist deutlich anspruchsvoller. Ein Auto wäre nicht mehr allein auf seine eigenen Kameras und Sensoren angewiesen. Stattdessen würden die von mehreren Fahrzeugen erfassten Daten in eine Vogelperspektive umgerechnet und von zentralen Rechnern zu einer gemeinsamen Wahrnehmungskarte zusammengeführt.
Ein solches System könnte in Situationen helfen, in denen ein Fahrer oder ein Assistenzsystem eine Gefahr nicht direkt sehen kann. Ein großer Lastwagen könnte an einer Kreuzung zum Beispiel ein herannahendes Auto oder einen Fußgänger verdecken. Erkennt ein anderes vernetztes Fahrzeug die Gefahr bereits, könnte das System diese Information weitergeben.
Die Karte käme anschließend zurück ins Auto.
Fahrzeuge würden Informationen von Kameras, Radar, Lidar und Positionssensoren sammeln. Diese Daten gingen an ein cloudbasiertes System, wo sie synchronisiert und zu einem dreidimensionalen Bild der Verkehrssituation verarbeitet würden. Das fertige Bild könnte danach an Fahrzeuganzeigen oder Steuergeräte von Fahrerassistenzsystemen zurückgesendet werden.
Die Patentschrift erwähnt außerdem die Wiederherstellung fehlender Daten sowie Cross-Attention- und Temporal-Attention-Karten. Vereinfacht gesagt müsste das System unvollständige Informationen aus verschiedenen Fahrzeugen zusammensetzen und daraus ein Bild erzeugen, das zuverlässig genug für die praktische Nutzung ist.
Der praktische Nutzen läge bei toten Winkeln, Fußgängern und Parkplätzen.
Das System von GM könnte einem Fahrer oder einem automatisierten Fahrsystem Informationen über Objekte liefern, die außerhalb der Reichweite der eigenen Fahrzeugsensoren liegen. Dazu könnten hinter Hindernissen verdeckte Autos, aus der Deckung tretende Fußgänger oder freie Parkplätze in der Nähe gehören.
Laut Patentanmeldung wäre der gemeinsam genutzte Informationsbereich auf einen Umkreis von rund 50 bis 75 Metern um das Auto begrenzt. Das würde die Datenmengen verringern und die Belastung der Fahrzeugsysteme reduzieren.
Ein Patent ist noch keine Serienfunktion.
GM spricht bislang nicht von einer Funktion, die kurz vor dem Einsatz in Serienfahrzeugen steht. Derzeit handelt es sich um eine Patentanmeldung. Für eine Markteinführung wären schnelle Datenverbindungen, gemeinsame Standards für den Datenaustausch und sehr klare Regeln dazu nötig, welche Informationen Autos teilen dürfen.
Dieser letzte Punkt ist für GM keine Randnotiz. Im Jahr 2025 warf die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission GM und OnStar vor, Standort- und Fahrverhaltensdaten von Fahrern ohne ausreichende Zustimmung weitergegeben zu haben. Im Rahmen eines Vergleichs wurde dem Unternehmen für fünf Jahre untersagt, solche Daten an Verbraucherauskunfteien weiterzugeben.
GMs Konzept einer kollektiven Wahrnehmung könnte technisch also durchaus vielversprechend sein. Sein Erfolg dürfte aber ebenso stark von Vertrauen abhängen wie von Algorithmen. Autos könnten eines Tages füreinander um die Ecke sehen. Fahrer müssen dennoch genau wissen, wer die Daten sehen kann und was damit geschehen soll.