GM verkleinert den Hummer und nimmt Bronco und Wrangler ins Visier
General Motors hat zur Eröffnung seines neuen Designstudios in Pasadena die GMC Hummer X Concepts gezeigt, einen SUV und einen Pick-up. Serienautos sind sie nicht. Sie zeigen aber, wie sich Hummer vom gigantischen elektrischen Kraftakt zu etwas Kompakterem, Modularerem und deutlich geländetauglicherem entwickeln könnte.
Der kleinere Hummer ist kein kleines Auto
Der Hummer X SUV ist 4.782,5 mm lang und 2.032 mm breit, der Radstand beträgt 2.945,5 mm. Damit fällt die Studie rund 216 mm kürzer aus als der Serien-GMC Hummer EV SUV ohne Reserverad, der auf 4.999 mm kommt. Rechnet man beim Serienmodell das Reserverad mit, wächst der Unterschied auf fast 468 mm.
Der Hummer X Truck misst 5.264,5 mm in der Länge, der Radstand liegt bei 3.318,6 mm. Zum Vergleich: Der aktuelle Hummer EV Pick-up streckt sich auf 5.507 mm. Die Studie nimmt ihm also etwa 243 mm Länge ab. Nach Hummer-Maßstäben ist das ein großer Schritt. Auf einem europäischen Parkplatz bleibt ein 2.032 mm breites Fahrzeug trotzdem eine echte Platzprobe.
Die Geländewerte sagen mehr als das Designvokabular
Der Hummer X SUV ist nicht nur eine kürzere Designübung. Mit 334,3 mm Bodenfreiheit, 44 Grad Böschungswinkel vorn, 46 Grad Böschungswinkel hinten und 30,9 Grad Rampenwinkel bringt er echte Offroad-Substanz mit. Die 37-Zoll-Reifen von Goodyear entsprechen einem Außendurchmesser von rund 940 mm.
Der Hummer X Truck geht leicht anders an die Sache heran, mit 316,7 mm Bodenfreiheit, 41,5 Grad Böschungswinkel vorn, 29,7 Grad Böschungswinkel hinten und 35-Zoll-Reifen, also etwa 889 mm. Der SUV wirkt damit wie der aggressivere Rock-Crawler, während der Pick-up stärker auf Nutzbarkeit und Proportion setzt.
Bronco und Wrangler stehen direkt im Visier
Über die Abmessungen positioniert GM den Hummer X SUV sehr bewusst im Umfeld von Ford Bronco und Jeep Wrangler. Ein viertüriger Bronco Base hat 2.949 mm Radstand und ist 4.811 mm lang. Der Jeep Wrangler 4 Door kommt auf 3.007 mm zwischen den Achsen und misst 4.785 mm in der Länge. Der Hummer X SUV ist damit praktisch gleich lang, aber deutlich breiter und bietet mehr Bodenfreiheit.
Im elektrischen Feld drängt sich der Rivian R2 als Vergleich auf. Rivian verspricht 244 mm Bodenfreiheit, 25 Grad Böschungswinkel vorn und 26 Grad Böschungswinkel hinten. Der Hummer X SUV schlägt diese Geometriewerte klar. Rivian hat aber den wichtigsten Vorteil: Der R2 soll tatsächlich in Serie gehen. Hummer X bleibt vorerst ein Versuchsträger für Ideen.
FLEX FAB ist die eigentliche Nachricht
Der spannendste Teil ist nicht der Name Hummer, sondern die Produktionslogik. GM nutzt Hummer X, um FLEX FAB zu zeigen, eine Technologie, mit der sich Metallteile in kleinen Serien ohne eigene Presswerkzeuge fertigen lassen. Die Konzepte verwenden FLEX FAB bei 57 Prozent ihrer Teile. Das deutet an, wie ein Hersteller eines Tages Nischenmodelle, Sondereditionen und austauschbare Karosserieteile mit geringerem Investitionsrisiko bauen könnte.
Das passt sauber zum Hummer-Image. Abnehmbare Radlaufverbreiterungen, sichtbare Schrauben, austauschbare Teile, mechanische Verbindungselemente und weniger Abhängigkeit von Klebstoffen lassen das Auto eher wie ein Werkzeug wirken als wie ein Wegwerf-Designobjekt. GM verknüpft das außerdem mit zirkulärer Fertigung. Teile der Sitze und des Armaturenbretts bestehen aus Materialien recycelter Stoßfänger, während sich Komponenten leichter ausbauen und ersetzen lassen sollen.
Hummer Hub und eine Drohne liefern die Science-Fiction-Ebene
Das digitale Zentrum von Hummer X heißt Hummer Hub. Gemeint ist ein vernetztes App-Paket, das Fahrzeug, Fahrer und Abenteuerroute vor, während und nach der Fahrt miteinander verbinden soll. Das Schaustück ist eine Erkundungsdrohne, die auf dem Trail vorausfliegt, Geländedaten zurück ans Fahrzeug sendet und später wieder selbstständig andockt.
Das klingt nach Autosalon-Theater, ergibt im Gelände aber Sinn. Heute nutzt ein Fahrer einen Einweiser, Kameras oder steigt schlicht aus und schaut nach. Eine Drohne könnte genau diese Rolle digitalisieren und das Risiko senken, einen zwei oder drei Tonnen schweren Elektro-Offroader blind auf einen Felsen, in einen Graben oder eine Sandböschung zu setzen.
Der Antrieb bleibt geheim
GM nennt keine Daten zu Batterie, Motoren, Leistung, Gewicht oder Reichweite des Hummer X. Deshalb wäre es voreilig, die Studie direkt mit den Leistungswerten des Serien-Hummer EV zu vergleichen. Der aktuelle Hummer EV Pick-up bietet bis zu 865 kW, bis zu 584 km geschätzte Reichweite und beschleunigt in etwa 2,8 Sekunden von 0 auf 97 km/h. Ein Serien-Hummer X bräuchte aber vermutlich eine kleinere Batterie und eine leichtere Struktur.
Das Gewicht würde über seinen tatsächlichen Wert entscheiden. Das größte Problem des Hummer EV ist nicht die Leistung, sondern seine Größe und Masse. Wenn GM die Hummer-Haltung in einen Elektro-Offroader im Format eines Bronco packen könnte, entstünde etwas, das es am Markt kaum gibt: eine luxuriöse, robuste, modifizierbare elektrische Klettermaschine.
Europäische Sicht: noch kein Verkaufsmodell, aber eine starke Idee
Für Europa ist der Hummer X nichts, wonach man in einer Preisliste suchen sollte. GM stellt klar, dass das Konzept nicht zum Verkauf steht. Selbst der aktuelle Hummer EV ist hier vor allem ein Thema für Grauimporte, Spezialhändler und Enthusiasten, denn der US-Basispreis von 97.200 Dollar entspricht rund 83.500 Euro vor Mehrwertsteuer, Transport, Zoll und Umrüstung.
Trotzdem ist die Idee für Europa relevant. Mercedes-Benz G-Klasse, Ineos Grenadier und Wrangler zeigen, dass emotionale Offroader auch hier Käufer finden. Hummer X würde Elektroantrieb, modulare Bauweise und ein Design ergänzen, das sich für seine Brutalität nicht entschuldigt. Das Problem ist einfach: GM muss zuerst entscheiden, ob Hummer zu einer echten Modellfamilie wird oder als Markensymbol um einen teuren Elektro-Giganten kreist.
Technische Momentaufnahme
Hummer X SUV: 4.782,5 mm lang, 2.032 mm breit, 2.945,5 mm Radstand und 334,3 mm Bodenfreiheit.
Hummer X Truck: 5.264,5 mm lang, 3.318,6 mm Radstand und 316,7 mm Bodenfreiheit.
Offroad-Geometrie des SUV: 44 Grad Böschungswinkel vorn, 46 Grad Böschungswinkel hinten und 30,9 Grad Rampenwinkel.
Reifen: 37-Zoll-Goodyears für den SUV und 35-Zoll-Goodyears für den Pick-up.
Produktionslogik: 57 Prozent FLEX-FAB-Anteil, mit dem Ziel, Kleinserien, Modularität und einfacheren Teiletausch zu unterstützen.
Status: GM plant nicht, den Hummer X in seiner aktuellen Form in Produktion zu bringen oder zu verkaufen.
Vorerst ist Hummer X nur ein Konzept. Aber er zeigt in eine interessantere Zukunft, als elektrischen Exzess einfach immer schwerer, lauter und teurer zu machen.