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Chevrolet Corvette ZR1
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General Motors will Driften für jedermann ermöglichen

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 12.02.2026

General Motors hat ein Patent für eine Technologie angemeldet, die nicht das Ausbrechen des Fahrzeugs verhindert, sondern es gezielt herbeiführt. Dieser Schritt sagt ebenso viel über die heutige Autokultur aus wie über den technischen Ehrgeiz des US-Konzerns.

Statt den Fahrer vor Kontrollverlust zu bewahren, führt dieses System das Auto gezielt in den kontrollierten Drift. Was bislang Profis und besonders Mutigen vorbehalten war, könnte bald auch für jene erreichbar werden, deren fahrerisches Können sich sonst auf das Rangieren im Supermarktparkplatz beschränkt.

Software, die mit dem Grenzbereich spielt

Im Kern handelt es sich bei GMs Konzept um einen softwaregesteuerten Assistenten, der Antrieb, Bremsen und Fahrwerk koordiniert. Während herkömmliche Stabilitätskontrollen schon beim leisesten Anzeichen von Schlupf eingreifen, tut dieses System genau das Gegenteil. Es hält das Fahrzeug exakt an dem schmalen Grat, an dem die Reifen den Halt verlieren, der Fahrer aber noch die Kontrolle behält.

Die Steuereinheit des Autos analysiert dabei in Echtzeit Fahrbahnbeschaffenheit, Reifenverschleiß und Lenkwinkel. So kann die Kraftverteilung optimal angepasst werden, damit selbst Anfänger spektakuläre Rauchwolken produzieren, ohne sich gleich ins Kiesbett zu drehen.

Die Idee spiegelt einen grundlegenden Wandel im Markt für Performance-Fahrzeuge wider. Im Elektrozeitalter wird brutale Beschleunigung zur Selbstverständlichkeit. Hersteller müssen neue Wege finden, um Emotionen zu wecken, wenn das Dröhnen der Motoren verstummt. Wird der Sound leiser, muss das Spielerische lauter werden.

Es ist wahrscheinlich, dass künftige Generationen der Chevrolet Corvette und Performance-Modelle der Cadillac V Series als erste von dieser Funktion profitieren.

Werkzeug für die Rennstrecke, nicht für die Ampel

Ein Patent bedeutet nicht, dass künftig jeder Chevrolet-SUV quer von der Ampel startet. Das System soll auf abgesperrte Strecken und spezielle Drift-Areale beschränkt bleiben, wo sich die Grenzen gefahrlos ausloten lassen.

Die Ingenieure haben zudem verschiedene Schwierigkeitsgrade vorgesehen. Erfahrene Fahrer können die elektronische Unterstützung reduzieren, während Einsteiger von einer strengeren Überwachung profitieren. Das Prinzip ist simpel: Der Fahrer fühlt sich wie ein Held, während die Software im Hintergrund das Risiko managt.

Code statt Können

Am Ende steht der Drift-Knopf von GM sinnbildlich für den Wandel der Automobilwelt. Mechanisches Können wird zunehmend von Software abgelöst. Wo früher kontrolliertes Übersteuern jahrelange Übung und gelegentlich ein Getriebe kostete, reicht künftig vielleicht ein Fingertipp.

Puristen werden einwenden, dass dies die Kunst des Driftens verwässert. Aus unternehmerischer Sicht ist der Schritt jedoch clever: Man bietet der breiten Masse einen Hauch von Chaos, lässt sie an die eigene Meisterschaft glauben und sorgt dafür, dass das Auto die eigentliche Arbeit übernimmt.