Geely und Changan verlieren in Russland 177 Millionen Euro, global wächst das Geschäft weiter
Geely und Changan haben 2025 auf dem russischen Markt zusammen rund 177 Millionen Euro Verlust gemacht. Teure Kredite, schwache Nachfrage, hohe Lagerbestände und Importabgaben, die dort als Verwertungsgebühr bezeichnet werden, setzten das Geschäft unter Druck. Global zeigt sich bei den Herstellern jedoch ein deutlich stärkeres Bild.
Der russische Markt ist für chinesische Hersteller teuer geworden.
Nach Angaben russischer Medien schrieb Geely in Russland rund 70 Millionen Euro Verlust, nachdem das Unternehmen ein Jahr zuvor noch etwa 17 Millionen Euro Gewinn erzielt hatte. Bei Changan belief sich das Minus auf rund 107 Millionen Euro. Zudem musste Changan mindestens 113 Millionen Euro in die Subventionierung von Autokrediten stecken, um den Absatz in einem Umfeld hoher Zinsen zu stützen.
Das zeigt, dass das Russland-Geschäft chinesischer Automarken nicht nur unter der schwächeren Nachfrage leidet. Das Problem ist breiter: Fahrzeuge stehen in den Lagern, die Finanzierung ist teuer und der Preisdruck zwingt Hersteller und Importeure dazu, Margen zu opfern.
Haval stoppt die Produktion, der Grund bleibt aber umstritten.
Das Haval-Werk in Tula pausiert ab dem 20. Juli für zwei Wochen. Ein Teil der russischen Quellen bringt das mit der sinkenden Nachfrage und vollen Lagern in Verbindung. Haval selbst bezeichnet den Stillstand als reguläre technische Wartungspause. Fakt ist die Produktionsunterbrechung. Die Behauptung, dass schwache Verkäufe der direkte Auslöser seien, bleibt je nach Quelle umstritten. Das Marktumfeld stützt jedoch eine vorsichtige Schlussfolgerung: Der russische Automarkt wächst nicht mehr in dem Tempo wie nach dem Rückzug westlicher Hersteller.
AGR und Evolute bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung.
AGR in Kaluga, das mit der Produktion von Tenet und Chery verbunden ist, fährt die Fertigung hoch, arbeitet in zwei Schichten und bereitet eine dritte vor. Das Unternehmen will das Jahresvolumen von 120.000 auf 150.000 Autos steigern und rund tausend zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
Evolute nimmt unterdessen die Produktion in Lipezk nach einem Brand wieder auf und plant keine Produktionspause. Das Unternehmen kündigt an, innerhalb des kommenden halben Jahres die volle Kapazität zu erreichen.
Global ist das Bild deutlich robuster als in Russland.
Die Verluste in Russland bedeuten nicht, dass chinesische Hersteller international an Stärke verlieren.
Geely verkaufte 2025 3,02 Millionen Autos, steigerte den Umsatz auf rund 42 Milliarden Euro und erzielte einen Nettogewinn von etwa 2 Milliarden Euro. Changan setzte 2,91 Millionen Fahrzeuge ab, erwirtschaftete rund 19,9 Milliarden Euro Umsatz und einen Nettogewinn von knapp 495 Millionen Euro.
Great Wall Motor, zu dem Haval gehört, verkaufte 1,32 Millionen Autos, kam auf rund 27,1 Milliarden Euro Umsatz und auf einen Nettogewinn von etwa 1,2 Milliarden Euro. Auch Chery verzeichnete starkes Wachstum: 2,63 Millionen verkaufte Fahrzeuge, rund 36,5 Milliarden Euro Umsatz und etwa 2,37 Milliarden Euro Nettogewinn.
Russland ist kein einfacher Wachstumsmarkt mehr.
Die erste Wachstumsphase chinesischer Autohersteller in Russland beruhte auf der Marktöffnung nach dem Rückzug westlicher Wettbewerber. 2025 änderte sich die Lage: Die Nachfrage kühlte ab, die Lagerbestände stiegen und der Absatz musste mit Rabatten und Kreditsubventionen gestützt werden.
Die Fakten deuten darauf hin, dass Russland für chinesische Autohersteller vom Wachstumsmarkt zu einem Test der Margen geworden ist. Besser behaupten sich jene Unternehmen, die lokal produzieren, stärker lokalisiert sind und ihre Bestände im Griff haben. Importeure, die auf teure Finanzierung und Rabattaktionen angewiesen sind, geraten stärker unter Druck.