Ford ruft in den USA fast 420.000 große SUVs wegen eines Sicherheitsgurt-Fehlers zurück
Ford ruft in den USA 419.967 Ford Expedition und Lincoln Navigator in die Werkstätten, weil sich der Gurtstraffer des Fahrer- oder Beifahrersicherheitsgurts unbeabsichtigt auslösen und den Gurt in einer Position blockieren kann, in der er sich nicht mehr ein- oder ausziehen lässt. Betroffen sind die Modelljahre 2018 bis 2022, das erhöht das Verletzungsrisiko bei einem Unfall.
Der NHTSA-Rückrufbericht trägt die Nummer 26V344, die interne Ford-Kampagnennummer lautet 26S34. Die Aktion verteilt sich klar auf zwei Modelle: Der Ford Expedition macht 342.283 Fahrzeuge aus, also rund 81,5 Prozent des Gesamtvolumens. Der Lincoln Navigator kommt auf 77.684 Fahrzeuge oder etwa 18,5 Prozent. Ford beziffert den Anteil defekter Fahrzeuge auf 3 Prozent, also auf rund 12.600 potenziell betroffene Mechanismen.
Das ist kein kleines Komfortproblem, sondern betrifft den Kern des Sicherheitssystems. Expedition und Navigator haben eine große Karosserie, drei Sitzreihen und spielen auf dem US-Markt die Rolle von Familienautos. Entsprechend sind oft Kinder, Anhänger und lange Autobahnfahrten Teil des Einsatzprofils. Der Sicherheitsgurt muss in so einem Auto bei jedem Start funktionieren, nicht erst im Crash.
Was genau am Sicherheitsgurt schiefläuft
Im Zentrum des Fehlers steht der Gurtstraffer des Sicherheitsgurt-Aufrollers an den Vordersitzen. Laut Fords Bericht kann sich der Straffer unbeabsichtigt auslösen. Passiert das, blockiert der Gurt und kann weder normal nachgeben noch wieder aufgewickelt werden. Die NHTSA schreibt, dass die grundlegenden Funktionen des Gurts bis dahin korrekt arbeiten, ein blockierter Gurt kann den Insassen im Unfall aber nicht mehr wie vorgesehen zurückhalten. In manchen Fällen kann auch das schnelle Zurückziehen des Gurts selbst Verletzungen verursachen.
Die technische Ursache liegt im Material des pyrotechnischen Gasgenerators des Straffers. Hohe Hitze kann die Bestandteile einer älteren pyrotechnischen Ladung zersetzen, die Zerfallsprodukte oxidieren innere Komponenten, und am Ende kann das System ohne Kollision auslösen. Als Warnsignal kann vor dem Defekt die Airbag-Kontrollleuchte im Cockpit aufleuchten.
Ford erweitert frühere Kampagnen
Die neue Aktion ist kein Einzelfall, sondern ersetzt und erweitert die früheren Rückrufe 24S06 und 25S31. Ford hat das Problem Anfang 2026 erneut untersucht und die unbeabsichtigten Straffer-Auslösungen mit einer bestimmten Kombination aus Treibladung und Stabilisator verknüpft. Im Februar 2022 führte der Zulieferer einen Mikro-Gasgenerator mit neuer Zusammensetzung ein, der in späteren Ford-Tests eine bessere chemische Stabilität zeigte.
Ford tauscht also nicht einfach ein Teil gleichen Typs gegen ein neues aus, sondern setzt auf Gurtstraffer mit anderer chemischer Stabilität. Der Hersteller will damit die Ursache beseitigen und nicht nur das sichtbare Symptom.
Die Reparatur ist kostenlos, die endgültige Mitteilung kommt später
Ford informiert die Halter zunächst per Brief vom 8. bis 12. Juni 2026. Die endgültige Rückrufmitteilung verschickt der Hersteller nach Plan vom 31. August bis 4. September 2026. Die Händler prüfen die Gurtaufroller beider Vordersitze und tauschen Bauteile aus dem verdächtigen Produktionszeitraum kostenlos aus. Im NHTSA-Bericht gibt es zu dieser Aktion weder einen Hinweis auf „Do Not Drive“ noch die Vorgabe, das Auto im Freien abzustellen.
Warten sollte man trotzdem nicht, wenn sich der Gurt schwergängig bewegt, klemmt oder das Auto eine Airbag-Fehlermeldung zeigt. In diesem Fall sollte man die Ford- oder NHTSA-Datenbank per VIN prüfen und einen Werkstatttermin vereinbaren, bevor das Schutzsystem den Insassen im Ernstfall nicht mehr richtig schützt.
Aus europäischer Sicht betrifft das Risiko vor allem Importfahrzeuge
In Europa ist das kein Massenrückruf, weil Expedition und Lincoln Navigator nicht zum normalen Ford-Programm hierzulande gehören. Das offizielle Ford-Modellangebot für Europa umfasst Fahrzeuge wie Puma, Kuga, Explorer EV, Capri, Mustang Mach-E, Ranger und Nutzfahrzeuge, nicht den US-Groß-SUV Expedition und nicht den Lincoln Navigator.
Das heißt aber nicht, dass das Thema europäische Leser nicht betrifft. Aus den USA importierte Expedition und Navigator sind auch auf dem Gebrauchtmarkt in Estland und anderen europäischen Ländern unterwegs. Beim Kauf eines solchen Fahrzeugs sollte man den VIN-Code in der NHTSA-Datenbank prüfen und einen Nachweis verlangen, dass die Aktion 26S34 erledigt wurde. Ein großer, komfortabler und starker US-SUV verliert seinen praktischen Wert schnell, wenn die Historie der Sicherheitsgurte ungeprüft bleibt.
Technische Kurzfassung
Ford ruft in den USA 419.967 Fahrzeuge der Modelljahre 2018 bis 2022, den Ford Expedition und den Lincoln Navigator, zurück.
Der Defekt betrifft den Gurtstraffer des Fahrer- und Beifahrersicherheitsgurts, der sich auch ohne Unfall auslösen kann.
Ford schätzt den Defektanteil auf 3 Prozent, damit könnte das Problem rund 12.600 Fahrzeuge betreffen.
Die Ursache hängt mit einer bei hoher Hitze zerfallenden Treibladung zusammen, die innere Komponenten oxidieren lassen kann.
Die Reparatur umfasst die Prüfung der Gurtaufroller beider Vordersitze und bei Bedarf den kostenlosen Austausch.