Dodge entwickelt den Copperhead SRT ohne V8 und löst ihn vom Charger
Dodges nächstes SRT-Topmodell wird weder ein kleinerer Charger noch eine Retro-Nummer mit klassischem V8. Laut The Drive wechselt der Copperhead SRT auf eine separate Stellantis-Plattform, bekommt einen Verbrenner und dürfte statt eines V8 sehr wahrscheinlich einen modernen Sechszylinder nutzen.
Dodge baut den Copperhead nicht auf dem Charger auf
Stellantis hat Journalisten offenbar hinter verschlossenen Türen den ersten Prototyp des Dodge Copperhead SRT gezeigt. Elektronik war im Raum nicht erlaubt. Joel Feder von The Drive berichtet jedoch, dass Tim Kuniskis, Chef der amerikanischen Stellantis-Marken und treibende Kraft hinter SRT, ein entscheidendes Detail bestätigte: Der Copperhead SRT wird nicht die Grundform des Charger übernehmen.
Genau das macht das Auto relevant. Der neue Dodge Charger nutzt die STLA-Large-Architektur, die sowohl die elektrische Daytona-Version als auch den benzinbetriebenen Sixpack tragen muss. Laut Kuniskis würde der für ein Batteriepaket ausgelegte Fahrzeugboden die Proportionen des Copperhead in die falsche Richtung drücken. Anders gesagt: Dodge will sein neues Aushängeschild nicht um ein bestehendes Modell herum zurechtbiegen. Gesucht ist ein niedrigerer, klarerer Ausgangspunkt, näher an der Logik eines echten Sportwagens.
Der V8 bleibt vorerst außen vor
Die Antriebsfrage sagt am meisten über die Richtung des Projekts. Kuniskis bestätigte, dass der Copperhead SRT einen Verbrennungsmotor bekommt, versprach aber keine Rückkehr des Hemi-V8. Im Gegenteil. Er deutete an, dass das gegen Ende des Jahrzehnts erwartete Auto einen Motor nutzen könnte, den die Öffentlichkeit noch nicht gesehen hat. Auf einen Hybrid-V8 angesprochen, dämpfte er die Erwartungen und beschrieb eine solche Lösung als Technik, die zu schnell altern würde.
Der naheliegende Kandidat ist derzeit der 3,0-Liter-Reihensechszylinder Hurricane mit Biturboaufladung, in der Dodge-Sprache SIXPACK genannt. Im Charger Scat Pack leistet dieser Motor 410 kW und 720 Nm, nutzt 54-mm-Turbolader von Garrett und arbeitet mit bis zu 2,07 bar Ladedruck. Die Standard-Output-Version kommt im Charger R/T auf 313 kW und 635 Nm.
Die Zahlen machen die V8-Debatte weniger emotional
Für V8-Treue klingt ein Sechszylinder-SRT nach Kompromiss. Die technischen Daten stützen die Panik jedoch kaum. Der Charger Scat Pack Sixpack beschleunigt in 3,9 Sekunden auf 97 km/h und legt die Viertelmeile, also 402 Meter, in 12,2 Sekunden zurück. Der elektrische Charger Daytona Scat Pack tritt noch brutaler an, mit 500 kW, 850 Nm und 3,3 Sekunden von 0 auf 97 km/h.
Beim Copperhead wird der Wert nicht allein in der Leistung liegen. Masse, Schwerpunkt und Proportionen zählen ebenso. Sollte es Dodge gelingen, eine globale Stellantis-Unibody-Architektur zu nutzen und das Auto zugleich niedriger und kompakter als den Charger zu halten, könnte ein Sechszylinder-SRT ein schärferes Handling liefern als ein großes Muscle-Car mit Allradantrieb.
In Europa wäre er eine Nischenwaffe
Aus europäischer Sicht bringt der Copperhead SRT Dodge in eine schwierige, aber interessante Position. Ein V8 ist hier längst nicht mehr nur eine emotionale Entscheidung. Er bringt auch Probleme bei Steuern, CO2 und Zulassungskosten mit sich. Zum Vergleich: Der offiziell verkaufte Ford Mustang Dark Horse nutzt nach niederländischen Marktdaten einen 5,0-Liter-V8, leistet 453 PS, also rund 333 kW, und 540 Nm und erreicht 100 km/h in 4,4 Sekunden.
Wenn Dodge den Copperhead SRT mit einem Sechszylinder nahe 410 kW auf den Markt bringt, könnte er den europäischen Mustang bei der Leistung übertreffen, beim Drehmoment klar darüber liegen und einen Teil der regulatorischen Last reduzieren, die ein V8 mit sich bringt. Das wäre keine weitere Kopie der alten amerikanischen Muscle-Car-Formel. Es wäre der Versuch, die SRT-Identität in eine neue Ära zu übersetzen.
Technischer Überblick
Erwartete Plattform: Der Dodge Copperhead SRT wird nicht die gleiche Grundgeometrie wie der Charger nutzen. Dodge sucht niedrigere, authentischere Sportwagen-Proportionen.
Motor: Das Auto bekommt einen Verbrenner, ein V8 ist aber nicht bestätigt. Der Hurricane-Sechszylinder wirkt derzeit wahrscheinlicher.
Wahrscheinliche Leistungsreferenz: Der 3,0-Liter-SIXPACK HO des Charger Scat Pack leistet 410 kW und 720 Nm, die R/T-Version kommt auf 313 kW und 635 Nm.
Architektur: STLA Large unterstützt Elektro-, Hybrid- und Verbrennerantriebe, der Copperhead könnte jedoch eine andere globale Stellantis-Architektur nutzen.
Europa-Perspektive: Ein SRT ohne V8 könnte stärker sein als der Mustang Dark Horse und zugleich weniger regulatorisches Risiko tragen.