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Chrysler Airflow wird vom Elektro-Statement zum alltagstauglichen SUV

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 04.06.2026

Ein neues offizielles Stellantis-Video zu den Multienergy-Modellen könnte erstmals einen Blick auf Chryslers nächsten SUV erlaubt haben, den Airflow. Wenn die US-Autopresse die Hinweise richtig deutet, kommt der Airflow nicht mehr als reines Elektro-Manifest, sondern als Monocoque-Familien-SUV mit mehreren Antriebsoptionen. Genau so ein Modell braucht Chrysler, um neben dem Pacifica wieder eine echte Baureihe aufzubauen.

Airflow ist längst nicht mehr nur eine Studie

Chrysler zeigte 2022 erstmals eine elektrische Studie mit dem Namen Airflow. Damals sprach die Marke von bis zu 644 Kilometern Reichweite, zwei 150-kW-Elektromodulen und Fahrerassistenz der Stufe 3. Der jüngste Hinweis wirkt deutlich bodenständiger. Das Fahrzeug im Video erscheint kantiger, mit steilerer Front und praxisnäheren Proportionen statt der schlanken, futuristischen Coupé-SUV-Optik.

Motor1 entdeckte in Stellantis’ Multienergy-Video einen rätselhaften Chrysler und ordnete ihn dem Airflow zu. Car and Driver ergänzte, dass das gleiche Modell auch beim Investor Day von Stellantis zu sehen gewesen sei, und hält das im Video gezeigte Auto ebenfalls für den künftigen Airflow. Offiziell hat Chrysler den Namen allerdings noch nicht mit diesem Videoausschnitt verknüpft. Es bleibt also ein starkes, aber weiterhin unbestätigtes Indiz.

Technisch verschiebt sich der Airflow von rein elektrisch zu mehreren Antrieben

Die im Video gezeigte Architektur deutet auf einen quer eingebauten Verbrennungsmotor hin. US-Quellen bringen ihn mit dem 1,6-Liter-Turbomotor des Jeep Cherokee in Verbindung, der allein 132 kW und 300 Nm leistet, beziehungsweise 157 kW und 312 Nm als Teil eines Hybridsystems. Laut Jeep verbraucht der Cherokee Hybrid rund 6,4 l/100 km und schafft mit einer Tankfüllung mehr als 805 Kilometer.

Damit verschiebt sich auch die Positionierung des Airflow. Chrysler will offenbar nicht nur mit einem Elektroimage gegen Tesla Model Y oder Hyundai Ioniq 5 antreten. Stattdessen baut Stellantis wohl ein flexibles Modell, das den wechselhaften Geschmack des US-Markts aushält, mit Benzin-, Hybrid- und später auch Elektroantrieb. Höhere Ausstattungslinien könnten zudem den neuen Hurricane-4-Turbomotor bekommen, den US-Quellen mit rund 242 kW angeben.

STLA One macht aus dem Airflow ein Kostenprojekt statt ein Nischenauto

Der Airflow dürfte auf STLA One stehen, Stellantis’ neue modulare Plattform für Fahrzeuge der B-, C- und D-Segmente. Laut Stellantis soll die Architektur die Komplexität senken, Bauteile über viele Modelle hinweg nutzbar machen und unterschiedliche Antriebsarten unterstützen. Die Plattform geht 2027 in den Einsatz, unterstützt eine 800-Volt-Elektroarchitektur und soll langfristig mehr als 30 Modelle tragen.

Für Chrysler ist das entscheidend. Die Marke lebt derzeit fast ausschließlich vom Pacifica-Minivan, während das Herz des US-Markts im Takt der SUVs schlägt. Der Airflow muss deshalb zwei Aufgaben gleichzeitig erfüllen, Chrysler ein modernes Gesicht geben und beim Preis niedrig genug bleiben, um in derselben Liga wie Toyota RAV4, Honda CR-V und Hyundai Tucson mitzuspielen.

Der Preis zielt auf den Massenmarkt

Laut Car and Driver soll der Airflow in den USA unter 40.000 Dollar kosten, also etwa 34.400 Euro. Das ist kein europäischer Listenpreis, denn US-Preise enthalten in der Regel weder lokale Steuern noch die Kosten für eine europäische Homologation. Der Chrysler Arrow und der Arrow Cross sollen in den USA unter 30.000 Dollar bleiben, also bei rund 25.800 Euro.

Aus europäischer Sicht ist der interessantere Name Fiat Grizzly. Reuters berichtete, dass Fiat den Grizzly und den Grizzly Fastback ab der zweiten Hälfte 2026 in Europa, dem Nahen Osten und Afrika verkaufen will. US-Quellen bringen Chrysler Arrow und Arrow Cross mit diesen Fiat-Modellen in Verbindung. Das spricht dafür, dass Stellantis auf verschiedenen Kontinenten dieselbe technische Basis unter unterschiedlichen Markenlogos einsetzen wird.

Chrysler bleibt in Europa vorerst außen vor

Für europäische Käufer dürfte der Airflow vorerst kein direktes neues Modell werden. Stellantis behandelt Chrysler als Regionalmarke, während Jeep, Ram, Peugeot und Fiat die breiter angelegte globale Investitionspriorität erhalten. In Europa dürfte diese Lücke eher von Peugeot, Opel, Citroën und Fiat als von Chrysler gefüllt werden.

Strategisch bleibt der Airflow dennoch wichtig. Er zeigt, wie Stellantis sich von der Phase zurückzieht, in der jede Marke scheinbar blind in eine rein elektrische Zukunft sprinten sollte. Heute zählen Flexibilität, Preis und Volumen mehr. Für Chrysler könnte genau das das Überlebensrezept sein, kein glitzerndes Elektro-Nischenmodell, sondern ein vernünftiger Familien-SUV für den Alltag, der der Marke endlich wieder ein zweites Standbein gibt.

Technische Kurzfassung

Der Airflow dürfte die STLA-One-Plattform nutzen, die Benziner, Hybride und Elektroantriebe unterstützt.

Als möglicher Basismotor gilt der 1,6-Liter-Turbo des Jeep Cherokee mit 132 kW und 300 Nm.

Das Hybridsystem des Cherokee leistet 157 kW und 312 Nm und verbraucht laut US-Angaben rund 6,4 l/100 km.

Teurere Versionen könnten den Hurricane-4-Turbomotor mit rund 242 kW bekommen.

Der genannte US-Zielpreis liegt unter 40.000 Dollar, also etwa 34.400 Euro vor Steuern.