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CATL battery pack
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CATL Shenxing III führt Elektroautos in das Sechs-Minuten-Ladezeitalter

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 23.04.2026

CATL hat in Peking die dritte Generation der Shenxing-Batterie vorgestellt. Sie lädt von 10 auf 80 Prozent in 3 Minuten und 44 Sekunden sowie von 10 auf 98 Prozent in 6 Minuten und 27 Sekunden. Das markiert eine neue Phase im Wettbewerb der Elektroautos: Neben der Reichweite prägen zunehmend Ladegeschwindigkeit, Thermomanagement und Infrastruktur die Kaufentscheidung.

CATL präsentierte diesmal nicht einfach nur einen weiteren Laborwert. Nach Angaben des Unternehmens behält Shenxing III auch nach 1000 Vollzyklen mehr als 90 Prozent ihrer Kapazität und kann selbst bei minus 30 Grad in rund neun Minuten von 20 auf 98 Prozent geladen werden. Damit gehen die Ingenieure zwei zentrale Schwachstellen des Elektroautos gleichzeitig an: das Laden im Winter und die Auswirkungen des Schnellladens auf die Lebensdauer.

Noch wichtiger ist die technische Logik, die CATL dabei verfolgt. Nach eigener Aussage nähert sich die LFP-Chemie ihrer theoretischen Obergrenze bei der Energiedichte. Deshalb lohne es sich auf dieser Plattform vor allem, extreme Ladegeschwindigkeit herauszuholen, statt die Reichweite immer weiter zu erhöhen. Shenxing III zeigt entsprechend, dass CATL die LFP-Batterie nicht mehr nur als günstige und robuste Lösung positionieren will, sondern auch als Träger eines leistungsstarken Nutzungserlebnisses im oberen Segment. Das ist ein strategischer Schritt, denn die Vorteile von LFP liegen bei Preis, Brandsicherheit und Rohstoffbasis, bislang galt prestigeträchtige Performance jedoch als ihre schwächere Seite.

Noch gewichtiger wird die Nachricht durch die Wettbewerbslage. BYD kündigte bereits im März vergangenen Jahres seine 1000-kW-„Super e-Platform“ an, die mit fünf Minuten Ladezeit 400 km Reichweite nachladen sollte. CATL konterte damals mit der zweiten Shenxing-Generation und versprach 520 km in fünf Minuten. Nun legt CATL die Messlatte noch höher, auch wenn der Vergleich teilweise Marketingcharakter hat, weil die Hersteller unterschiedliche Ladefenster und verschiedene Kennzahlen verwenden. Die inhaltliche Schlussfolgerung ist dennoch klar: Chinesische Batteriehersteller haben das Wettrennen auf Sekunden heruntergebrochen, und westliche Hersteller müssen darauf nicht erst mit dem nächsten Modellzyklus antworten, sondern mit der nächsten Infrastrukturinvestition.

CATL hat dafür auch die nötige Position. Laut Reuters stieg der Anteil des Unternehmens an der weltweiten Nutzung von Traktionsbatterien auf Basis der ersten beiden Monate dieses Jahres auf 42,1 Prozent. Am selben Technologietag verknüpfte der Konzern die Batterieentwicklung direkt mit der Infrastruktur: CATL will bis zum Jahresende 4000 integrierte Lade- und Batteriewechselstationen in rund 190 Städten errichten. Das ist das wichtigste Detail der gesamten Geschichte. CATL verkauft nicht mehr nur eine Batterie, sondern ein komplettes Energieversorgungssystem, um die Ladezeit der Erfahrung an einer herkömmlichen Tankstelle so weit wie möglich anzunähern.

Offen blieb vorerst allerdings, welche Serienfahrzeuge Shenxing III zuerst erhalten werden. Das deutet darauf hin, dass CATL bewusst die Plattform und das Ökosystem in den Mittelpunkt gestellt hat, um die Nachricht nicht auf eine einzelne Marke oder ein einzelnes Modell zu verengen. Daraus lässt sich schließen, dass der nächste große Gewinner nicht zwingend der Hersteller mit der schnellsten Batterie sein wird, sondern jener, der Batterie, Kühlung, Hochvoltarchitektur und ein tatsächlich funktionierendes Megawatt-Ladenetz zu einem glaubwürdigen Gesamtpaket verbinden kann.