BYD setzt Blogger mit 245.000-Euro-Urteil in die Schranken
Im Zeitalter sozialer Medien glauben viele, Meinungsfreiheit bedeute Narrenfreiheit – vor allem, wenn Klicks und Reichweite locken. Doch der chinesische Autoriese BYD hat nun das Gegenteil bewiesen: Nach einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess gegen einen Blogger, der den Leopard 5 SUV mit einem „kreativen“ Verbrauchstest diskreditieren wollte, setzte sich BYD durch. Das Urteil: Zwei Millionen Yuan, rund 260.000 Euro, Strafe für den Content Creator – ein Präzedenzfall in Sachen digitaler Ehrlichkeit.
Der Streit entbrannte, als der Influencer ein Video veröffentlichte, in dem er dem Leopard 5 einen absurden Verbrauch von 18 Litern auf 100 Kilometer attestierte – weit entfernt von den offiziellen Angaben. BYDs Ingenieure beließen es nicht bei einer Pressemitteilung, sondern zogen die Telemetriedaten des Fahrzeugs heran. Das Ergebnis: Um solch schlechte Werte zu erzielen, fuhr der Blogger konstant mit 150 bis 180 km/h auf der Autobahn, beschleunigte aggressiv und bremste hart. Von Alltagsbetrieb keine Spur – hier wurde gezielt manipuliert, um das Auto schlecht aussehen zu lassen.
Warum BYD so vehement reagierte, erklärt ein Blick auf die Technik des Leopard 5. Als Flaggschiff der Marke FangChengBao basiert er auf der spezialisierten DMO-Plattform (Dual Mode Off-road). Von wegen Softroader: Über 650 PS liefert der Plug-in-Hybrid aus einem 1,5-Liter-Benziner und zwei Elektromotoren. Damit sprintet der schwere SUV in 4,8 Sekunden auf 100 km/h – ein Wert, der so manchem Sportwagen Konkurrenz macht.
Die 18-Liter-Behauptung des Bloggers war schon deshalb unglaubwürdig, weil das Hybridsystem intelligent arbeitet. Der Leopard 5 fährt überwiegend elektrisch, der Verbrenner springt nur zum Laden oder für maximale Leistung an. Selbst mit leerer Batterie liegt der offizielle Verbrauch bei etwa 7,8 Litern pro 100 Kilometer. Selbst bei zähem Verkehr und schwerem Gasfuß bleibt der reale Wert weit unter dem des Bloggers – der Unterschied war mehr als doppelt so hoch und entlarvte die Testbedingungen als gezielte Sabotage.
Das Gericht sah es genauso: Der Influencer habe die Grenze von Kritik zu Verleumdung überschritten und BYDs Ruf sowie wirtschaftliche Interessen direkt geschädigt. Neben der hohen Geldstrafe muss der Beklagte eine öffentliche Entschuldigung veröffentlichen, die mindestens 90 Tage auf seinen Kanälen sichtbar bleibt. Ein deutliches Signal an die Heerschar der „Influencer“: Die Autobranche lässt sich nicht länger gefallen, dass für virale Reichweite milliardenschwere Technik in den Dreck gezogen wird.
Dieses Urteil markiert einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen Autoindustrie und Medien: Wer Unsinn verbreitet, muss mit echten Konsequenzen rechnen. BYD zeigt, dass chinesische Marken ihr geistiges Eigentum und Image inzwischen mit chirurgischer Präzision verteidigen. Künftig müssen Content Creator, die Verbrauch oder Haltbarkeit kritisieren wollen, ihre Daten wasserdicht belegen – spätestens, wenn die Fabrik den Gerichtsbeschluss schickt. Die Wahrheit mag schmerzen, aber in diesem Fall war die Lüge deutlich teurer.