Bugatti W16 Mistral: Literarischer Abschied vom 16-Zylinder
Der Bugatti W16 Mistral Le Retour du Jeune Prince ist ein Einzelstück aus dem Sur-Mesure-Programm, inspiriert von der privaten literarischen Welt eines Kunden. Er setzt der 16-Zylinder-Ära einen überraschend poetischen Schlusspunkt, während die Spitze der Hypercars in Richtung Hybridantriebe und elektrische Rekordmaschinen rückt.
Molsheim macht aus einem Hypercar ein fahrendes Manuskript.
Bugatti beschreibt sein jüngstes Sur-Mesure-Projekt als einmaligen W16 Mistral, inspiriert vom eigenen Buch des Besitzers, Le Retour du Jeune Prince. Es ist eine literarische Fortsetzung, beeinflusst von Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Das Design geht weit über ein Namensschild hinaus. Die Karosserie trägt Kupfer- und Bronzetöne, silberne Sternmotive, einen goldgerahmten Bugatti-Macaron und, wenn die hintere Airbrake ausfährt, eine Anspielung auf die Szene mit dem Prinzen und dem Fuchs.
Im Innenraum führt Bugatti die Erzählung fort. Zwei Lederfarben, Terre d’Or und Driftwood, prägen das Ambiente. Gestickte Monde auf den Türen, Sternmotive auf den Kopfstützen, braune Carbon-Zierelemente und eine dreidimensional gescannte silberne Rose im Wählhebel machen aus dem Auto eher ein maßgeschneidertes Objekt als einen Roadster mit Sonderausstattung. Genau darin liegt das Gewicht dieses Auftrags. Bugatti verkauft hier weniger Auto als Bedeutung.
Der W16 Mistral ist der letzte große offene W16.
Unter der Poesie steckt Bugattis stärkster Antrieb alter Schule. Der W16 Mistral nutzt einen 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern, 1177 kW und 1600 Nm. Die Kraft geht über ein 7-Gang-DSG-Doppelkupplungsgetriebe an alle vier Räder. Von 0 auf 100 km/h sprintet der Roadster in 2,4 Sekunden, von 0 auf 200 km/h in 5,6 Sekunden. Der offizielle Top-Speed-Modus erlaubt 420 km/h.
Noch wichtiger ist das Auto, weil der Mistral die Geschichte der straßenzugelassenen W16-Modelle von Bugatti abschließt. Bei der Vorstellung kündigte Bugatti an, nur 99 Exemplare zu bauen, jedes zu einem Preis von 5,0 Millionen Euro. Die gesamte Serie war ausverkauft, bevor die Auslieferungen an Kunden begannen.
Ein Rekord gibt der Sonderanfertigung technisches Gewicht.
Bei diesem Sur-Mesure-Fahrzeug geht es nicht um eine Rundenzeit oder eine Höchstgeschwindigkeitsfahrt. Es steht aber auf einer Basis mit echter Rekord-Glaubwürdigkeit. Der W16 Mistral World Record Car erreichte im Testzentrum Papenburg 453,91 km/h. Bugatti bezeichnete das als Geschwindigkeits-Weltrekord für ein offenes Auto. Damit übertraf der Lauf die 408,84 km/h des Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse und sicherte dem Mistral den Platz als technischer Höhepunkt der Bugatti-Roadster-Linie.
Genau dort unterscheidet sich der Mistral von mehreren weltweiten Konkurrenten. Der Hennessey Venom F5 Roadster verspricht 1355 kW und ein Potenzial von mehr als 483 km/h. Der Koenigsegg Jesko Absolut bietet mit E85-Kraftstoff rund 1193 kW, während der Rimac Nevera R die Leistung elektrischer Hypercars mit 430 km/h Spitze und einer Leistungsklasse von 1571 kW weiter treibt. Auf dem Papier ist der Mistral nicht das stärkste Auto. In der Kategorie der offenen Fahrzeuge hat er aber eine verifizierte Höchstgeschwindigkeitsangabe, nicht nur ein Versprechen.
Mehr Kulturobjekt als Verkehrsmittel.
Der W16 Mistral besetzt eine seltsame, aber sehr Bugatti-typische Nische. Der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt bei 21,8 l/100 km, die CO2-Emissionen bei 495 g/km. Damit bewegt er sich in einer anderen Realität als elektrifizierte Gran Turismo und Hybrid-Hypercars der nächsten Generation.
Gerade deshalb wird der Mistral zu einer historischen Markierung. Der Tourbillon ist bereits in eine neue Ära gewechselt, mit einem 8,3-Liter-V16-Saugmotor als Hybridantrieb, 1800 PS Gesamtleistung, also rund 1324 kW, einer 25-kWh-Batterie und mehr als 60 km elektrischer Reichweite. Bugatti baut 250 Tourbillon, die Preise beginnen bei 3,8 Millionen Euro.
Der W16 Mistral Le Retour du Jeune Prince ist damit zweierlei zugleich: die persönliche Fantasie eines Kunden und ein Epilog auf Bugattis großes Verbrennerzeitalter. Er konkurriert nicht mehr nur über Tempo, sondern über Erinnerung, Handwerk und die Fähigkeit, eine Geschichte zu erzählen.
Technischer Überblick.
Der 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern leistet 1177 kW und 1600 Nm.
Die Beschleunigung dauert 2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 5,6 Sekunden von 0 auf 200 km/h, der offizielle Top-Speed-Modus liegt bei 420 km/h.
Der W16 Mistral World Record Car erreichte 453,91 km/h.
Die Produktion ist auf 99 Fahrzeuge limitiert, der Grundpreis beträgt 5,0 Millionen Euro.
Die WLTP-Werte liegen bei 21,8 l/100 km und 495 g/km CO2.
Bugatti hätte die W16-Geschichte mit einem noch lauteren, noch schnelleren Abschied beenden können. Stattdessen bekam ein Kunde eine Rose, einen Fuchs und ein Hypercar, das sich wie eine letzte Seite liest.