Entwicklung des BMW G74 Berichten zufolge ins Stocken geraten – geplanter G-Klasse-Rivale fraglich
BMWs kolportierter G74 sollte die Marke erstmals direkt in das Segment von Mercedes-Benz G-Klasse und Range Rover führen. Quellen, die mit dem Programm vertraut sind, zufolge bestand der Luxus-Geländewagen jedoch die abschließende Freigaberunde nicht und ist faktisch ins Stocken geraten. BMW hat die Existenz des G74-Projekts nie öffentlich bestätigt. Daher lässt es sich am treffendsten als nicht genehmigtes und auf Eis gelegtes Entwicklungsprogramm beschreiben – nicht als eingestelltes Serienmodell.
Der G74 erhielt Berichten zufolge keine endgültige Freigabe
Das intern als G74 bezeichnete Projekt war Berichten zufolge für eine Markteinführung im Jahr 2029 vorgesehen. Jüngsten Informationen zufolge erhielt es keine endgültige Freigabe, womit eine Serienproduktion deutlich unwahrscheinlicher ist, als es zwischenzeitlich schien.
Der G74 hätte eine auffällige Lücke im BMW-Programm geschlossen. X5, X7 und XM bieten leistungsstarke Antriebe, überzeugende Fahrleistungen und luxuriöse Innenräume, doch keines dieser Modelle tritt mit kantiger Karosserie, ernst zu nehmender Geländetechnik und einem über Jahrzehnte aufgebauten Ruf direkt gegen die G-Klasse an.
Berichten zufolge sollte echte Geländegängigkeit im Mittelpunkt des Lastenhefts stehen. Mit anderen Worten: Der G74 sollte mehr sein als ein X5 mit zusätzlichem Unterbodenschutz, höhergelegtem Fahrwerk und einigen weiteren Fahrmodi.
Vom Neue-Klasse-Elektrokonzept zur X5-basierten Plattform
Das Projekt begann Berichten zufolge nach einem Wettbewerbsvergleich, bei dem der elektrische Rivian R1T einen starken Eindruck auf Ingenieure und Führungskräfte von BMW machte. Der erste Entwurf soll ein vollelektrisches Modell auf Basis der auch für den BMW iX3 verwendeten Neue-Klasse-Architektur NA5 gewesen sein. Einem Bericht zufolge baute BMW ein Designmodell in Originalgröße, wobei unklar bleibt, ob die Idee jemals zu einem fahrfähigen Prototyp weiterentwickelt wurde.
Als sich das Wachstum der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen verlangsamte, soll BMW den auf NA5 basierenden Entwurf zurückgestellt und das Programm auf die flexible Architektur des neuen X5 der fünften Generation mit dem internen Code G65 verlagert haben. Damit wären mehrere Antriebsvarianten möglich geworden, darunter Plug-in-Hybrid- und vollelektrische Versionen. Zugleich wäre als geplanter Produktionsstandort das BMW-Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina vorgesehen gewesen.
Die kolportierte Spezifikation beschrieb ein großes dreireihiges SUV mit breitem Panoramadach, außen am Heck montiertem Reserverad und aufwendigerer Geländetechnik als bei einem herkömmlichen X5. Zudem sollen in den Heckklappenbereich integrierte Sitzgelegenheiten vorgesehen gewesen sein, die sich an Käufer mit einem aktiven, naturorientierten Lebensstil richteten.
Eine vom X5 abgeleitete Plattform würde auf eine selbsttragende Karosserie hindeuten, doch keine verlässliche Quelle hat konkrete Details zu Karosserieverstärkungen, Federwegen, Allradsystem oder Differenzialsperren genannt. Diese Punkte bleiben daher Spekulation und sind keine bestätigten technischen Merkmale.
Eine kantige Karosserie allein hätte nicht genügt, um die G-Klasse herauszufordern
Die Mercedes-Benz G-Klasse setzt in diesem Segment einen ungewöhnlich hohen technischen Maßstab. Sie besitzt einen Leiterrahmen, eine zuschaltbare Geländeuntersetzung und drei Differenzialsperren. Der Mercedes-AMG G 63 ergänzt dies um einen 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 430 kW und 850 Nm, der den großen Geländewagen in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Sein WLTP-Verbrauch wird mit 14,7–15,7 l/100 km angegeben, die CO₂-Emissionen mit 335–358 g/km.
Eine vom X5 abgeleitete Plattform mit selbsttragender Karosserie hätte Komfort, Raumausnutzung und Fahrverhalten auf der Straße begünstigen können, wobei das Ergebnis von der endgültigen technischen Auslegung abgehangen hätte. Um abseits des Asphalts ernst genommen zu werden, hätte der G74 dennoch große Federwege, wirksamen Unterbodenschutz, eine ausreichende Wattiefe und ein robustes Traktionssystem benötigt, das auch mit Verschränkungssituationen zurechtkommt.
Eine aufrechtere Karosserie allein hätte BMW weder bei der Geländegängigkeit noch bei der Tradition auf das Niveau der G-Klasse gebracht. Die eigentliche Chance des G74 lag in einem anderen Konzept: das Fahrverhalten des X5 und die von der Neuen Klasse abgeleitete Elektronik mit ernst zu nehmenderer Geländetechnik zu verbinden, als sie jedes aktuelle BMW-SUV bietet.
Plug-in-Hybrid- und vollelektrische Versionen hätten dem Modell ebenfalls ein klares Alleinstellungsmerkmal verschaffen können, insbesondere in Europa. Verbrauch und CO₂-Emissionen des G 63 verdeutlichen, wie schwierig es wäre, einen weiteren großen Luxus-Geländewagen einzuführen, der ausschließlich von einem großvolumigen Verbrennungsmotor angetrieben wird.
Offiziell wurde nichts eingestellt
Entscheidend ist, dass BMW kein zuvor offiziell angekündigtes Fahrzeug eingestellt hat. Das Unternehmen hat weder den G74 noch dessen geplanten Marktstart, seine Antriebe oder auch nur die Existenz des Programms jemals öffentlich bestätigt.
Die verfügbaren Informationen deuten stattdessen auf ein internes Projekt hin, das Berichten zufolge keine endgültige Freigabe erhielt. BMW könnte die Idee bei veränderten Marktbedingungen wieder aufgreifen. Die Chancen, dass der G74 in der bislang beschriebenen Form die Serienreife erreicht, erscheinen nun jedoch deutlich geringer.