BMW will bis 2030 die Hälfte seiner Verkäufe mit Elektroautos erzielen
BMW hat seinen Elektroautos ein weiteres, diesmal klar beziffertes Ziel gesetzt. Bis 2030 sollen vollelektrische Modelle die Hälfte aller Verkäufe ausmachen. Aktuell liegt der Anteil bei 17,9 Prozent. Damit müsste die Marke den Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in den kommenden vier Verkaufsjahren nahezu verdreifachen. Auf einer Präsentationsfolie wirkt das groß. Im Markt beginnt die Arbeit erst dann.
BMW legt die Messlatte hoch
2025 verkaufte die BMW Group weltweit 442.056 vollelektrische Autos. Das entsprach einem Anteil von 17,9 Prozent an den Gesamtverkäufen. Nach eigener Rechnung bedeutete das: Rund jedes sechste Fahrzeug der BMW Group fuhr ausschließlich mit Batterie. Rechnet man Plug in Hybride hinzu, stieg die Zahl der elektrifizierten Fahrzeuge auf 642.071, also auf etwa ein Viertel aller Verkäufe. In Europa war das Bild noch stärker elektrifiziert: Dort machten vollelektrische und Plug in Hybrid Modelle bereits 40 Prozent der Verkäufe aus.
Die Neue Klasse muss das Versprechen einlösen
Den großen Sprung soll die Modellfamilie Neue Klasse liefern. Auf der Jahreskonferenz erklärte der Konzern, der iX3 habe diese neue Ära bereits in den Markt gebracht. Am 18. März kam die neue i3 Limousine hinzu, die die gleiche technische Logik in das Kernsegment von BMW trägt. Bis Ende des Jahres sollen Kunden laut BMW aus 20 vollelektrischen Modellen wählen können. Das Stammwerk in München beginnt noch in diesem Jahr mit dem Bau des neuen i3 und stellt ab 2027 auf die Produktion ausschließlich vollelektrischer Neue Klasse Fahrzeuge um. Das wirkt weniger wie ein Nebenprojekt, sondern wie der Hauptplan, den das Unternehmen nicht mehr stillschweigend in der Schublade verschwinden lassen will.
Kleinere und günstigere Modelle könnten von unten kommen
BMW erwartet nicht, dieses Ziel allein mit größeren und teureren Elektroautos zu erreichen. Noch vor Ende des Jahrzehnts könnte die Palette um kleinere und günstigere i1 und i2 Modelle wachsen, einen Kompaktwagen und eine Limousine, beide unterhalb des heutigen iX1 positioniert. Wenn dieser Plan aufgeht, würde BMW damit auch das Preisband abdecken, in dem Premiumhersteller oft von eleganten Kompromissen sprechen, obwohl der eigentliche Grund häufig in der Marge liegt.
BMW kappt keine alten Verbindungen, sondern hält sie offen
Wichtig ist: BMW bindet seine Zukunft nicht ausschließlich an Batterien. Der Konzern betonte erneut seinen technologieoffenen Ansatz und will Verbrennungsmotoren, Plug in Hybride, vollelektrische Antriebe und ab 2028 auch Wasserstoff Brennstoffzellenmodelle parallel weiterentwickeln. Anders gesagt: BMW macht nicht das, was einige Wettbewerber einst mit großem Tamtam ankündigten und später in leiseren Tönen wieder umschrieben. Die Münchner lassen mehrere Türen offen und nennen es Pragmatismus. Diesmal klingt das sogar überzeugend.
Interessant wirkt der Schritt auch deshalb, weil die Autoindustrie nicht mehr auf einer einzigen, geradlinigen Elektrospur unterwegs ist. Mercedes Benz verschob sein Ziel der vollständigen Elektrifizierung 2024 um fünf Jahre, während BMW am 2030 Ziel von 50 Prozent festhält. Das Umfeld macht es nicht leichter. Im Februar sanken die weltweiten Elektroautoverkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent, in Europa stiegen sie im gleichen Zeitraum jedoch um 21 Prozent. BMW setzt damit weniger auf blinden Optimismus als auf die Annahme, dass der europäische Premiumkunde schneller Richtung Elektroantrieb wechselt als der Gesamtmarkt. Das ist keine Romantik, sondern nüchterne Arithmetik, die nur besser klingt, wenn ein blau weißes Emblem auf der Motorhaube sitzt.