Bentley macht Mulliner zum Modehaus: Erste Bespoke Series auf 100 Continental-GT- und GTC-Modelle limitiert
Bentley Mulliner startet ein neues Format mit jährlich erscheinenden Sonderserien, das eher an eine saisonale Haute-Couture-Kollektion als an ein klassisches Optionspaket erinnert. Die erste Bespoke Series 2027 ist auf 100 nummerierte Fahrzeuge begrenzt und basiert auf dem Continental GT S Coupé sowie dem Continental GTC S Cabriolet. Hinzu kommen spezielle Farben, ein handlackierter Mittelstreifen und Details im Innenraum, die den Hybrid-GT zum Sammlerstück machen.
Mulliner verkauft Jahreskollektionen, nicht nur Farben
Laut der offiziellen Modellseite von Bentley markiert die Bespoke Series 2027 den Auftakt einer neuen Mulliner-Tradition. Es geht nicht einfach um ein weiteres Abzeichen für eine „Limited Edition“, sondern um bewusst gesteuerte Verknappung. Mulliner will jedes Jahr eine kuratierte Kleinserie auflegen, die sich um ein Thema aus Farben, Materialien und Handwerkskunst dreht. Zum Auftakt begrenzt Bentley die Produktion auf 100 nummerierte Fahrzeuge.
Das ist ein geschickter Geschäftszug. Bei der Kommentierung der Ergebnisse für 2024 erklärte Bentley, dass sich 70 Prozent der Kunden für Mulliner-Inhalte entschieden. Anders gesagt: Die Marke definiert Luxus nicht länger nur über mehr Leistung oder noch teureres Leder. Sie macht Personalisierung selbst zum Produkt.
Sechs Farben und eine handlackierte Signatur
Beim Exterieur der Bespoke Series dreht sich alles um Farbe. Bentley bietet sechs Lackierungen an: Salerno Blue, Bright Ruby Pearlescent, Midnight Prism Pearlescent, Manuka Orange, Spectral Verdant und Snow Quartz. Fünf davon sind komplett neu, einige arbeiten mit Perleffekt oder changierenden Oberflächen, um die modellierten Flächen des Continental GT S stärker hervorzuheben.
Das klarste Erkennungsmerkmal verläuft über die gesamte Fahrzeuglänge. Mulliner lackiert von Hand einen Mittelstreifen vom Kofferraumdeckel bis zur Motorhaube. Im Innenraum greift Bentley die Außenfarbe auf hochglänzenden Furnieren und Akzentteilen wieder auf, ergänzt schwarz eloxierte Einstiegsleisten mit der Seriennummer des jeweiligen Fahrzeugs und verwendet ein eigens entwickeltes Perforationsmuster. Das ist keine demonstrativ sportliche Inszenierung. Es ist Bentley-Detailarbeit in Reinform: aus der Nähe kostspielig, aus der Distanz zurückhaltend.
Die Technik stammt vom schärferen Continental GT S
Die Sonderserie basiert nicht auf dem regulären Continental GT, sondern auf dem sportlicheren GT S. Dessen Plug-in-Hybridantrieb kombiniert einen 4,0-Liter-V8 mit einem Elektromotor und kommt auf eine Systemleistung von 500 kW sowie 930 Nm. Das Coupé sprintet in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 308 km/h. Das Cabriolet absolviert den gleichen Wert in 3,7 Sekunden. Die Batteriekapazität liegt bei 25,9 kWh, Bentley nennt bis zu 80 km elektrische Reichweite.
Gegenüber dem Continental GT S der vorherigen Generation legt der neue Hybrid um rund 96 kW und 160 Nm zu. Bentley sagt außerdem, dass der neue S den früheren W12 Speed bei Leistung, Drehmoment und Fahrleistungen übertrifft. Das ist bedeutsam, weil das Verschwinden des W12 an der Spitze der GT-Baureihe keine Lücke hinterlassen hat. Der Hybrid-V8 hat sie mit mehr Nachdruck geschlossen, und leiser.
Das Fahrwerk muss 2,45 Tonnen lebendig wirken lassen
Der Continental GT S ist kein leichtes Auto. Das Leergewicht des Coupés liegt bei rund 2.450 kg, deshalb müssen Karosserie und Fahrwerk mehr leisten, als nur Komfort zu liefern. Das Bentley Performance Active Chassis umfasst aktiven Allradantrieb, adaptive Zweiventil-Dämpfer, eine aktive 48-Volt-Wankstabilisierung, ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial, Torque Vectoring und Hinterradlenkung.
Das ist für Bentley entscheidend. Eine Leistung von 500 kW schockiert auf dem Papier heute nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn ein Mercedes-AMG SL 63 S E Performance 600 kW, 1.420 Nm und 2,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h bietet. Der Aston Martin DB12 bewegt sich im gleichen Luxus-GT-Segment mit 500 kW, 800 Nm, 3,6 Sekunden für den Sprint und 325 km/h Höchstgeschwindigkeit. Bentleys Antwort ist nicht die reine Rundstrecken-Performance, sondern die Mischung aus Allradtraktion, elektrischem Fahren in der Stadt und handgefertigter Knappheit.
In Europa ist der Hybrid wichtiger als der Streifen
In Europa liegt der Reiz der Bespoke Series vor allem im Timing. Käufer eines Luxus-GT wollen weiterhin den Klang eines V8 und das Potenzial für 300 km/h, doch städtische Restriktionen, Steuerstrukturen und Dienstwagenregelungen begünstigen zunehmend Plug-in-Hybride. Bentley wartet für den EU27-Raum noch auf die Typgenehmigungswerte zu Verbrauch und CO₂, aber ein elektrischer Fahrmodus mit 80 km verschafft dem Continental GT S dort einen praktischen Vorteil, wo ein reines Benzinmodell zunehmend zur schwierigen Wahl wird.
Im Vergleich zur weltweiten Konkurrenz verkauft Bentley zwei Dinge zugleich. Auf der einen Ebene bekommt der Kunde einen technisch glaubwürdigen Hybrid-GT. Auf der anderen ein Auto, das der Konfigurator in der nächsten Saison nicht mehr wiederholen wird. Mulliner fügt dem Luxus nicht nur etwas hinzu. Die Abteilung erzeugt Knappheit, und die könnte sich am Gebrauchtwagenmarkt als ähnlich wichtig erweisen wie der Beschleunigungswert.