auto.pub logo
Bentley Continental GT Supersports
Fullscreen Image

Bentleys erstes Elektroauto könnte Barnato heißen

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 20.03.2026

Bentley bereitet die Premiere seines ersten vollelektrischen Modells für die zweite Hälfte des Jahres 2026 vor. Markenanmeldungen in den USA, der EU und im Vereinigten Königreich deuten dabei vor allem auf einen Namen hin: Barnato. Das wäre eine bewusste Wahl. Der Name verknüpft den neuen elektrischen Luxus-SUV mit dem Erbe von Woolf Barnato, während die Marke aus Crewe ihr Ziel der vollständigen Elektrifizierung auf 2035 verschiebt, das erste Batteriemodell aber dennoch mit Gewicht, Charakter und historischer Verankerung positionieren will.

Bentley hat den Namen bislang nicht offiziell bestätigt, doch die Hinweise weisen in dieselbe Richtung. Mehreren Berichten zufolge reichte das Unternehmen am 20. August 2025 eine Markenanmeldung für Barnato ein, die nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Ladezubehör für Elektroautos umfasst. Den Berichten zufolge ließ sich Bentley den Namen Barnato auch in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich schützen, obwohl Torcal weiterhin als Alternative kursiert. Auch der Zeitpunkt stützt die Theorie. Bentley will sein erstes Elektroauto noch vor Ende 2026 vorstellen, erwartet wird das Modell in der zweiten Jahreshälfte.

Der Name selbst hat Substanz. Woolf Barnato investierte 1926 in Bentley Motors, bewahrte das Unternehmen vor finanziellen Schwierigkeiten und wurde später Vorsitzender. Zugleich wurde er zu einer der prägenden Figuren von Bentleys goldener Ära. 1928, 1929 und 1930 gewann er in einem Bentley die 24 Stunden von Le Mans, später festigte er seinen Legendenstatus mit der berühmten Blue-Train-Herausforderung. Das aktuelle Konzeptfahrzeug EXP 15 greift bereits deutlich den Blue Train Speed Six aus den 1930er Jahren auf. Das legt nahe, dass die Marke die Barnato-Geschichte schon jetzt in ihre elektrische Zukunft einwebt.

Auch die Positionierung des Fahrzeugs passt dazu. Bentley scheint keinen simplen elektrischen Ersatz für den Bentayga zu entwickeln. Im Rahmen der offiziellen Beyond100+-Strategie soll 2026 das erste batterieelektrische Modell der Marke kommen, beschrieben von Bentley als echter luxuriöser Urban-SUV. Entwickelt und gebaut wird das Fahrzeug in Crewe, zugleich versteht Bentley es als Auftakt eines neuen Produktzyklus. Zusammengenommen deuten Berichte von Reuters, Autocar und Motor1 darauf hin, dass das Modell unterhalb des Bentayga positioniert sein wird, die PPE-Architektur des Volkswagen-Konzerns nutzt und ausschließlich elektrisch angeboten wird. Walliser hat sowohl eine Version mit Verbrennungsmotor als auch eine Plug-in-Hybrid-Variante bereits ausgeschlossen. Damit macht er klar, dass Bentley neue Kundschaft ansprechen will, ohne die Rolle des Bentayga zu verwässern.

Gerade deshalb gewinnt der Name zusätzlich an Bedeutung. Bentleys erstes Elektroauto braucht mehr als nur technische Glaubwürdigkeit, es braucht auch emotionale Autorität. Die Marke hat ihr Ziel der vollständigen Elektrifizierung auf 2035 verschoben und will bis dahin weiter auf Plug-in-Hybride setzen. Laut Car and Driver plant Bentley zudem vor 2030 kein zweites vollelektrisches Modell. Gleichzeitig bewegt sich das Unternehmen in einem schwierigeren Marktumfeld. Bentley meldete für 2025 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 216 Millionen Euro, während die Auslieferungen um fünf Prozent zurückgingen, vor allem wegen der schwächeren Nachfrage in China. Der Guardian verweist zusätzlich auf den Druck durch US-Zölle, Währungseffekte und interne Umstrukturierungen. In diesem Umfeld würde Barnato mehr leisten, als nur einem Auto einen Namen zu geben. Der Name würde den technologischen Wandel im wertvollsten Kapital der Marke verankern, ihrer Geschichte.

Deshalb wirkt das weniger wie ein gewöhnlicher Modellwechsel als wie eine Frage der Identität. Sollte Crewe Barnato als Namen bestätigen, würde Bentley sein erstes Elektroauto zugleich als Symbol für Kontinuität, Rennsporttradition und Innovation inszenieren. So ließe sich Käufern vermitteln, dass ein elektrischer Bentley weiterhin für das stehen soll, wofür die großen Namen der Marke immer standen. Gerade im Luxussegment, in dem die Zurückhaltung gegenüber der Elektrifizierung noch anhält, könnte das die klügste Geschichte sein, die Bentley erzählen kann.