Auto Union Lucca
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Audi rekonstruiert den Auto Union Lucca-Rekordwagen von 1935

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 07.05.2026

Audi Tradition hat den Auto Union Lucca-Rekordwagen neu aufgebaut, mit dem Hans Stuck 1935 nahe der italienischen Stadt Lucca 326,975 km/h erreichte. Die rekonstruierte Rennlimousine entstand bei den britischen Spezialisten Crosthwaite and Gardiner und feiert im Juli beim Goodwood Festival of Speed ihre öffentliche Premiere.

Audi ließ das Fahrzeug anhand historischer Fotos und Archivdokumente neu entstehen und holt damit eine der bekanntesten deutschen Geschwindigkeits-Rekordmaschinen der 1930er Jahre zurück. Das Projekt dauerte etwas mehr als drei Jahre und wurde im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Jedes Detail entstand in Handarbeit, mit besonderem Aufwand für die stromlinienförmige Karosserie, die Cockpitkanzel und das auslaufende Heck.

Dabei handelt es sich nicht um die Restaurierung eines erhaltenen Originals, sondern um einen kompletten Nachbau. Das Projekt ist damit weniger eine museale Instandsetzung als vielmehr ein technischer Akt der Rekonstruktion. Audi wollte Erscheinungsbild und Charakter der Epoche wiederherstellen und das Auto zugleich so weit anpassen, dass es moderne Demonstrationsfahrten bewältigen kann.

Ursprünglich plante Auto Union den Rekordversuch von 1935 bei Gyón in Ungarn, auf demselben Straßenabschnitt, auf dem Mercedes zuvor die eigenen Ergebnisse verbessert hatte. Das Wetter erzwang jedoch eine Planänderung. Das Team fand schließlich in Italien nahe Lucca eine passende Gerade, auf der Straße von Florenz nach Viareggio zwischen Pescia und Altopascio. Audi beschreibt den Abschnitt als rund fünf Kilometer lang, eben und nahezu schnurgerade.

Am 15. Februar 1935 erreichte Hans Stuck mit dem Auto Union Lucca über die fliegende Meile eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h. Die Zeitmessung registrierte auf einem Abschnitt der Rückfahrt eine Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h. Auf Grundlage dieses Ergebnisses bezeichnete Auto Union den Wagen damals als schnellsten Straßenrennwagen der Welt.

Grand-Prix-Technik im glatteren Gewand

Der Rekordwagen basierte auf der Grand-Prix-Technik von Auto Union aus jener Zeit, erhielt aber eine längere und aerodynamischere Karosserie. Die Oberfläche wurde geglättet, mit Klarlack überzogen, und die Drahtspeichenräder verschwanden hinter aerodynamischen Abdeckungen. Der ursprüngliche V16-Motor wuchs auf rund fünf Liter Hubraum und leistete in der frühen Ausführung 343 PS, später 375 PS.

Der rekonstruierte Wagen nutzt den aufgeladenen 6,0-Liter-16-Zylinder-Motor aus dem Auto Union Typ C von 1936. Audi erklärt, die 6,0-Liter-Einheit sei optisch nahezu nicht vom 5,0-Liter-Motor zu unterscheiden und passe besser zu den Anforderungen der historischen Fahrzeugsammlung und des Demonstrationsbetriebs. In der neuen Rekonstruktion leistet sie 520 PS beziehungsweise 382 kW.

Audi weist außerdem darauf hin, dass die Lucca-Rekonstruktion mehrere spätere Avus-Rennmodifikationen erhalten hat, darunter Änderungen an Kühlung und Belüftung. Der Grund ist pragmatisch. Ohne diese Maßnahmen würden moderne Demonstrationsfahrten das Auto thermisch zu stark belasten. Gerade das ist wichtig, denn dieses Projekt versteht sich nicht als hermetisch abgeschlossene museale Zeitkapsel. Es ist eine fahrbare Interpretation eines historischen Rekordwagens.

Die Daten wirken auch heute noch beachtlich. Das Auto ist 4570 mm lang, 1200 mm hoch und 1700 mm breit, der Radstand beträgt 2800 mm. Das Leergewicht liegt bei 960 kg, der im Windkanal ermittelte Luftwiderstandsbeiwert der Rekonstruktion bei 0,43.

Eine Erinnerung daran, wo Audis Technikgeschichte begann

Der Auto Union Lucca wird Audi keine Verkaufszahlen bringen, stärkt aber das technologische Kontinuitätsverständnis der Marke. In den 1930er Jahren vereinte Auto Union Audi, DKW, Horch und Wanderer, aus dieser Struktur gingen die vier Ringe hervor. Der Lucca-Rekordwagen zeigt, dass Audis Technikgeschichte nicht erst mit quattro oder dem Elektrozeitalter begann. Sie setzte deutlich früher ein, unter erheblich gefährlicheren Bedingungen.

Audi zeigt den wiederaufgebauten Lucca zunächst in Italien, anschließend vom 9. bis 12. Juli beim Goodwood Festival of Speed, wo das Auto voraussichtlich seinen ersten öffentlichen Fahreinsatz absolviert. Das ist der passende Rahmen, nicht als statisches Museumsobjekt, sondern als Teil einer lebendigen Motorsport-Erinnerung.