Audi Nuvolari katapultiert die Marke mit 736-kW-Hybrid in die Supercar-Liga
Audi hat den Nuvolari vorgestellt, den ersten Supersportwagen der Marke mit Hochleistungs-Hybridantrieb. 736 kW, mehr als 350 km/h Spitze und eine Auflage von 499 Exemplaren machen ihn zum stärksten und schnellsten Serien-Audi der Geschichte.
R8 bekommt einen geistigen Nachfolger, aber keinen direkten Ersatz
Mit dem Produktionsende des R8 schließt der Nuvolari die Lücke bei Audi. Als R8-Nachfolger bezeichnet der Hersteller das neue Modell dennoch nicht. Das ist ein wichtiger Unterschied: Der R8 war sehr schnell, blieb aber ein vergleichsweise breit positionierter Supersportwagen. Der Nuvolari rückt eine Stufe höher, in ein selteneres und teureres Segment, in dem jedes technische Detail den Anspruch eines Flaggschiffs erfüllen muss.
Der Vergleich zeigt den Sprung deutlich. Der R8 V10 performance quattro kam auf 456 kW, beschleunigte in 3,1 Sekunden auf 100 km/h und erreichte 331 km/h. Der Nuvolari steigert die Systemleistung auf 736 kW, sprintet in 2,6 Sekunden auf 100 km/h, in 6,8 Sekunden auf 200 km/h und überschreitet die 350-km/h-Marke.
Lamborghini-Technik, Audi-Charakter
Der Antrieb des Nuvolari basiert auf derselben Architektur wie der Lamborghini Temerario, ein mittig eingebauter 4,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern, drei Elektromotoren und einem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Audis Version liefert als System 736 kW, der V8 selbst 588 kW und 730 Nm und dreht bis 10.000/min. Jeder der Elektromotoren steuert 110 kW bei, zwei ölgekühlte Axialflussmotoren arbeiten vorn, der dritte sitzt zwischen V8 und Getriebe.
Im direkten Vergleich mit dem Temerario wird Audis Position besonders spannend. Lamborghini nennt offiziell 677 kW, 343 km/h und 2,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h. Audi setzt dieselbe technische Familie damit, zumindest auf dem Papier, noch höher an, mit mehr Leistung, höherer Höchstgeschwindigkeit und dem schnelleren Standardsprint.
„Schnellster Audi“ heißt nicht der beste Wert im 0 bis 100 km/h Sprint
Wichtig ist die Einordnung: Der Nuvolari ist nach Höchstgeschwindigkeit der schnellste Serien-Audi, aber nicht der flotteste beim Sprint auf 100 km/h. Der RS e-tron GT performance erledigt dieselbe Übung in 2,5 Sekunden und ist damit um ein Zehntel schneller. Dafür bleibt der elektrische GT bei 250 km/h, während der Nuvolari über 350 km/h läuft.
Damit stehen zwei Philosophien nebeneinander. Der RS e-tron GT performance nutzt die Sofortkraft des Elektroantriebs für den maximalen Start aus dem Stand. Der Nuvolari kombiniert einen elektrischen Vorderachsantrieb, einen hochdrehenden V8 und aktive Aerodynamik, um auch dort Tempo zu machen, wo ein klassischer luxuriöser Elektro-GT an seine elektronische Grenze stößt.
Quattro wird zum vorausschauenden System
Der technisch interessanteste Teil des Nuvolari ist nicht nur seine Leistung. Audi führt damit quattro predictive ride ein, ein System, das Lenkwinkel, Beschleunigung, die Gierbewegung um die Hochachse und den Reifengrip auswertet. Es verteilt die Antriebskraft nach vorn, nach hinten und zwischen den Seiten, nutzt die Bremsen zur Stabilisierung des Autos und passt den aerodynamischen Anpressdruck der jeweiligen Situation an.
Das ist kein klassischer „guter Allradantrieb“ mehr, sondern ein Gesamtsystem. Die beiden E-Motoren an der Vorderachse können direkt Torque Vectoring übernehmen, der Verbrenner liefert über das Heck den mechanischen Charakter, und die Software verschmilzt alles zu einer dynamischen Ebene. Für Audi ist das passender als eine bloße Lamborghini-Variante mit anderer Karosserie, denn quattro soll hier Teil der Identität sein, nicht nur ein Hinweis auf den Antrieb.
Carbon und DRS bringen Formel-1-Flair auf die Straße
Audi setzt beim Nuvolari auf eine Audi-Space-Frame-Konstruktion mit Karbonaußenhaut. Nahezu alle äußeren Karosserieteile bestehen aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, eine Premiere für die Serienmodelle der Marke. Auch die geschmiedeten Zentralverschlussräder schaffen es erstmals in die Serienproduktion von Audi.
Die aktive Aerodynamik arbeitet in drei Modi. Der Heckflügel kann verschwinden, in eine Position mit geringerem Anpressdruck fahren oder für maximalen Abtrieb ausfahren. Auf der Geraden kann der Fahrer die DRS-Funktion nutzen, um den Luftwiderstand zu senken, beim Bremsen und in Kurven erhöht das System den Anpressdruck. Audi spricht von mehr als 400 kg aerodynamischem Abtrieb.
Die Bremsen müssen 2,8 MW verkraften
Bei der Bremse werden die Zahlen besonders extrem. Audi nutzt eine brake-by-wire-Steuerung, die Verzögerung zwischen Rückgewinnung elektrischer Energie und hydraulischer Bremsung aufteilt. Im normalen Alltag soll das Auto bis zu 0,3 g rein elektrisch verzögern können, unter hoher Last greifen die Audi Ceramic Pro Bremsen ein.
Vorn arbeiten Zehnkolben-Sättel mit 420 x 40 mm großen Scheiben, hinten Vierkolben-Sättel mit 410 x 32 mm Scheiben. Laut Audi liegt die Energieaufnahmefähigkeit des Bremssystems bei 2,8 MW, also in einer ähnlichen Größenordnung wie bei einem modernen Formel-1-Auto.
Für Europa ist der Nuvolari ein Image-Träger
Am europäischen Automarkt wird der Nuvolari nichts grundsätzlich ändern. 499 Fahrzeuge gehen schnell an die wohlhabendsten Kunden und Sammler der Marke. Einen offiziellen Preis nennt Audi nicht, Teile der internationalen Presse sprechen jedoch von rund 600.000 Euro. Das ist als Prognose zu verstehen, nicht als bestätigte Preisliste von Audi.
Strategisch ist der Nuvolari wichtiger als jede Stückzahl. Audi bereitet sich auf die Formel-1-Ära vor, sucht eine neue Designsprache und braucht ein Modell, das nicht nur von elektrischer Vernunft erzählt. Der Nuvolari liefert genau das, und zwar mit Nachdruck: kleiner Akku, großer V8, drei Elektromotoren, über 350 km/h und die klare Botschaft, dass Hybridtechnik auch emotional sein kann und nicht nur als Rettungsring für die CO2-Tabelle dient.
Technische Kurzfassung
Die Systemleistung des Audi Nuvolari beträgt 736 kW, der V8 leistet 588 kW und 730 Nm.
Der Hybridantrieb nutzt einen 4,0-Liter-Biturbo-V8, drei 110-kW-Elektromotoren und eine 7,3-kWh-Batterie.
0 bis 100 km/h gelingen in 2,6 Sekunden, 0 bis 200 km/h in 6,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt über 350 km/h.
Die aktive Aerodynamik mit DRS-Funktion erzeugt bis zu mehr als 400 kg Anpressdruck.
Audi begrenzt die Produktion auf 499 Autos, die ersten Auslieferungen beginnen in der ersten Hälfte 2027.