Car tire
Fullscreen Image

Alte Winterreifen im Sommer: Der Spartrick kann gefährlich werden

Autor auto.pub | Veröffentlicht am: 19.05.2026

Die Saison für den Reifenwechsel im Frühjahr ist offiziell vorbei, trotzdem fahren noch viele Autos auf Winterreifen. „Ich fahre den alten Satz diesen Sommer noch runter und kaufe im Herbst neue“, sagen viele Autobesitzer mit gefährlicher Selbstsicherheit.

Für ein paar Kilometer zum Einkaufen und zurück mag diese Logik noch halbwegs vernünftig wirken. Bei einer echten Sommerreise mit langen Etappen, heißem Asphalt, plötzlichen Unwettern und voll beladenem Auto wird aus Sparsamkeit jedoch ein Sicherheitsrisiko.

Lange Autobahnfahrten, hohe Temperaturen und ein schwer beladener Familienwagen schaffen genau die Bedingungen, unter denen ein Winterreifen seine eigentliche Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen kann.

Tests zeigen: Heißer Asphalt macht Winterreifen weich

Hitze ist auf langen Sommerfahrten der größte Gegner. Die Gummimischung eines Winterreifens ist für niedrige Temperaturen ausgelegt. Auf sommerlichem Asphalt, dessen Oberflächentemperatur in der Sonne über 40 Grad Celsius steigen kann, wird diese Mischung zu weich.

Das ist nicht nur Theorie. Tests von Automobilclubs wie dem ADAC und von Verkehrsforschungsinstituten weisen auf dasselbe Problem hin.

Der erste Punkt ist der Bremsweg. Auf sommerlicher Fahrbahn kann eine Bremsung aus 100 km/h mit Winterreifen bis zu 16 Meter länger dauern als mit neuen Sommerreifen. Das entspricht etwa drei bis vier Autolängen. Bei einer Notbremsung auf der Autobahn können diese Meter entscheiden, ob man rechtzeitig zum Stehen kommt oder heftig ins Heck des Vordermanns fährt.

Das zweite Problem ist das Lenkverhalten. Bei einem Ausweichmanöver verliert ein Auto auf Winterreifen deutlich früher an Stabilität. Es reagiert verzögert auf Lenkbefehle, fühlt sich schwammig und unpräzise an, und das Heck kann schneller ausbrechen als erwartet.

Hinzu kommt Aquaplaning. Bei einem sommerlichen Starkregen sammelt sich Wasser in tiefen Spurrillen. Das Profil eines Winterreifens ist dicht und auf Schnee sowie Schneematsch ausgelegt, nicht auf große Mengen stehenden Wassers. Ein abgefahrener Winterreifen kann bereits bei etwa 70 bis 80 km/h den Kontakt zur Fahrbahn verlieren, während ein geeigneter Sommerreifen bei Autobahntempo deutlich sicherer weiterarbeitet.

Der Mythos vom Sparen beim Kraftstoff

Viele Fahrer rechtfertigen das Aufbrauchen alter Winterreifen im Sommer mit dem Argument, Geld zu sparen. Die Physik zeigt wenig Verständnis dafür. Lange sommerliche Autobahnfahrten auf alten Winterreifen können sich an der Zapfsäule bemerkbar machen.

Weil das Gummi weicher ist und sich die Profilblöcke auf warmem Asphalt stärker bewegen, steigt der Rollwiderstand spürbar. Unabhängige Messungen zeigen, dass Winterreifen im Sommer den Kraftstoffverbrauch im Schnitt um 3 bis 5 Prozent erhöhen können.

Kommt Urlaubsgepäck hinzu und fährt man lange Strecken mit 110 bis 120 km/h, kann der Mehrverbrauch in Richtung 8 Prozent steigen. Auf einer längeren Reise bedeutet das, mehrere Tankfüllungen dafür zu bezahlen, Energie in Wärme und Reifenverschleiß umzuwandeln.

Keine andere Wahl? So lässt sich das Risiko senken

Geld kann knapp sein, und manchmal ist der Kauf von Sommerreifen schlicht nicht möglich. Wenn ein alter Satz Winterreifen tatsächlich die einzige Option für eine Sommerreise ist, muss der Fahrer seinen Fahrstil anpassen.

Vor der Abfahrt sollte der Reifendruck kontrolliert werden, besonders bei voll beladenem Auto. Maßgeblich ist der vom Hersteller empfohlene Maximaldruck für ein beladenes Fahrzeug, meist auf einem Aufkleber im Rahmen der Fahrertür angegeben. Höherer Druck macht die weiche Reifenstruktur etwas stabiler, verringert Überhitzung auf der Autobahn und verbessert Stabilität sowie Verbrauch.

Der Abstand zum Vordermann sollte deutlich größer ausfallen als sonst. Weil der Bremsweg erheblich länger ist, sollte die Lücke mindestens doppelt so groß sein wie gewohnt. Diese zusätzlichen Sekunden zählen.

Bei starkem Regen heißt es deutlich langsamer fahren. Es ist keine gute Idee, bei einem Sommerguss unbedingt das Tempolimit zu halten. Die Aquaplaning-Grenze liegt bei alten Winterreifen niedriger. Das Tempo sollte auf 70 oder 80 km/h sinken, tiefe wassergefüllte Spurrillen sollte man möglichst meiden.

Kurven und Überholmanöver verlangen Ruhe. Abrupte Lenkbewegungen sind tabu. Ein weicher Reifen mag keine plötzlichen Richtungswechsel. Überholvorgänge sollten früh geplant werden, das Auto sollte stabil bleiben, und Kurven fährt man möglichst gleichmäßig.

Am falschen Ende gespart

Ein paar Hundert Euro sparen zu wollen, indem man mit alten Winterreifen in einen heißen Sommerurlaub mit der Familie fährt, ist ein klassischer Fall falscher Sparsamkeit. Der höhere Kraftstoffverbrauch schmälert den Vorteil, während die Sicherheitsrisiken sehr real sind.

Wenn die Umstände keine Alternative lassen, bleiben bewusster Reifendruck, größere Abstände und ein deutlich ruhigerer Fahrstil die einzige echte Absicherung. Alte Winterreifen mögen in der Einfahrt noch brauchbar aussehen. Auf einer heißen Sommerautobahn verzeihen sie deutlich weniger.