Alpine sieht in der APP-Plattform eine Chance, die Seele eines Sportwagens zu bewahren
Alpine hat seine neue Alpine Performance Platform vorgestellt, kurz APP. Damit will die Marke eine unbequeme Frage beantworten, die die gesamte Sportwagenwelt beschäftigt: Kann sich ein Elektroauto weiterhin leicht, präzise und mitreißend anfühlen? Alpine hält das für möglich, vorausgesetzt, die Technik ist clever genug umgesetzt.
Die französische Marke glaubt, dass die Antwort ja lauten könnte. Zumindest dann, wenn die Ingenieursarbeit konsequent genug ausfällt.
Batterien als Ballast und Balance
Die Alpine-Ingenieure verwarfen die naheliegende Lösung, den Akku flach unter dem Fahrzeugboden zu platzieren. Dieses Layout ist bei vielen Elektroautos üblich, erhöht aber die Sitzposition und verschiebt den Schwerpunkt so, dass es das Fahrgefühl beeinträchtigen würde, das Alpine erhalten will.
Stattdessen teilt die APP-Plattform die Batterie in zwei separate Pakete, die zwischen Vorder- und Hinterachse positioniert sind. Ziel ist es, die vertraute Gewichtsverteilung von 40:60 beizubehalten, wie man sie vom benzinbetriebenen A110 kennt.
Die Struktur setzt auf geklebtes und genietetes Aluminium statt auf eine konventionell geschweißte Bauweise. Das soll die Steifigkeit erhöhen und gleichzeitig das Gewicht im Griff behalten.
Alpine peilt ein Leergewicht von rund 1500 Kilogramm an. Das sind etwa 400 Kilogramm mehr als beim aktuellen A110 mit Verbrennungsmotor, aber immer noch weniger als bei den meisten elektrischen Rivalen.
Um die durch die Batteriemasse entstehende Trägheit zu kompensieren, nutzt die Plattform Alpine Active Torque Vectoring. Das System passt die an die Hinterräder abgegebene Leistung alle 10 Millisekunden an und soll so die Agilität nachbilden, die Fahrer von einem leichten Sportwagen erwarten.
Die elektrische Architektur arbeitet mit 800 Volt. In Kombination mit Cell-to-Pack-Batterietechnik und Siliziumkarbid-Wechselrichtern soll das schnelleres Laden und eine präzisere Energiebewirtschaftung ermöglichen. Theoretisch sinkt damit der Bedarf an extrem großen und schweren Batteriepaketen.
Strategische Verschiebung Richtung Formel 1
Die APP-Plattform kommt zudem in einer Phase, in der sich das Unternehmen strategisch neu sortiert.
Unter CEO Philippe Krief hat Alpine kürzlich bestätigt, die Langstrecken-Weltmeisterschaft nach der Saison 2026 zu verlassen. Für Fans ist das eine schmerzhafte Entscheidung. Aus geschäftlicher Sicht zeigt sie eine klare Verschiebung der Prioritäten.
Künftig sollen die Ressourcen auf das Formel-1-Programm und die Entwicklung einer neuen Generation von Straßenfahrzeugen konzentriert werden. Alpine Tech, früher als Viry Châtillon bekannt, soll sich zu einem Innovationszentrum wandeln, das Formel-1-Technologien für Serienfahrzeuge adaptiert.
Die übergeordnete Strategie zielt darauf, Alpine von einer Nischen-Performance-Marke zu einem globaleren Anbieter auszubauen. Dafür braucht es Fokus, statt Ressourcen auf mehrere Rennprogramme zu verteilen.
Breiteres Modellprogramm
Der künftige Produktplan reicht deutlich über einen einzelnen Sportwagen hinaus.
Der neue A290 als Hot Hatch und der недавно eingeführte A390 Fastback, der bei 67.500 Euro startet, sollen ein breiteres Publikum ansprechen. Der elektrische A110 bleibt jedoch das technologische Aushängeschild der Marke.
An ihm soll sich zeigen, ob Alpines Elektro-Philosophie tatsächlich funktioniert.
Der Härtetest kommt auf der Straße
Die größte Herausforderung für die APP-Plattform wird die Alltagstauglichkeit unter realen Bedingungen sein.
Alpine sagt, das Auto solle drei Runden am Limit auf dem Nürburgring schaffen oder auf einer Autobahnfahrt mehr als 500 Kilometer zurücklegen. Das sind ambitionierte Ansagen.
Klarheit soll 2027 kommen, wenn die ersten Serienmodelle auf APP-Basis das Alpine-Werk in Dieppe verlassen.
Bis dahin bleibt die Idee eines elektrischen Sportwagens, der sich wirklich leicht anfühlt, auf dem Papier reizvoll. Gegen die Gesetze der Physik anzukämpfen ist allerdings selten billig oder einfach.